Wer bin ich?

ichTausend Worte können diese Frage nicht beantworten. Ob ich mich als großen Künstler oder als kleines Kind betrachte, als kreatives Genie oder geisteskranken Spinner, Gewinner oder Verlierer, immer zeichnet so ein Wort nur eine Facette der komplexen Persönlichkeit, die mein Gehirn konstruiert hat, um mich mit einem Ich zu versorgen.
Viele Jahre lang habe ich mich bemüht mit den Wölfen zu heulen, das Verhalten meiner Umwelt zu imitieren. Ich habe mit Kollegen gesoffen und ihre dummen Witze wiederholt, leider erfolglos. Ich blieb ein Außenseiter mit eigenen Gedanken und Interessen. Ich will nicht um Geld und Ruhm streiten, Karriere machen, sondern einfach nur tun, was ich kann. Über die Ergebnisse kann man streiten. Doch ich rode keine Wälder, verseuche keine Meere und betoniere keine Wiesen. Ich brauche kein Auto, keine Lebensversicherung, keine Uhr, keine Statussymbole. Die Jagd nach Reichtum und Anerkennung gehört zu den mir unbegreiflichen Verhaltensweisen einer Gesellschaft, die von Freiheit spricht und sich selbst versklavt.
Ihr glaubt an den Ernst des Lebens und daran, dass Geld glücklich macht. Ihr glaubt an Götter und Götzen, an gut und böse, an Recht und Ordnung. Ich bin ein Zweifler, ich glaube nicht. Ich will nicht daran glauben, dass ein schlechtes Leben jetzt ein gutes Leben in der Zukunft erzeugt. Ich will jetzt ein gutes Leben haben und das bedeutet für mich: ich will jetzt mein einzig Hab und Gut, meine Zeit für mich haben. Ich will träumen und spielen, Utopien spinnen, ein nutzloses Werk schaffen und Tage nicht zählen. Ich lebe die romantische Vorstellung des armen Poeten, verkannten Genies und erfolglosen Künstlers. Doch das ist eure romantische Vorstellung, die Wirklichkeit meiner Art zu leben lässt sich nicht erklären. Ich bin ein Narr, ein Utopist und Querdenker, ein Nixnutz und Eigenbrötler. Doch all diese Bezeichnungen sind nicht ich.

Ich bin einfach nur ich, sonst nichts.

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