Genug

Warum ist genug nicht genug?
Ich habe mehr als genug, eine schöne Wohnung, ein helles, großes Atelier, eine Werkstatt, genug zu essen, fließendes Wasser, Strom, Internet. Das ist mehr als die Mehrheit der Menschheit besitzt, mehr als ich brauche.
Ich habe lange in deutlich schlechteren Verhältnissen gelebt.
Trotzdem gibt mein Kopf keine Ruhe, sucht ständig nach Wegen meine Kunst gewinnbringend zu vermarkten, Geld zu scheffeln.
Warum?
Natürlich habe ich Wünsche, ein Bassverstärker, eine bessere Kamera, Bilderrahmen und, und, und. Doch keiner dieser Wünsche ist die Mühe wert, die ich mir wegen dem Verkauf meiner Bilder mache.
Es gibt unerfüllte Träume, der umgebaute Doppeldeckerbus als Festivalcafe, die vier Wochen mit guten Musikern im Tonstudio und auf Tournee. Doch das sind Träume eines jüngeren Mannes. Heute bin ich froh über mein geruhsames Leben auf dem Land.
Warum also kann ich es nicht lassen über Vermarktungsstrategien und Bewerbungsschreiben nachzudenken? Es gibt keinen sichtbaren Grund dafür. Mich plagt keine Not, keine Zukunftsangst, keine Gier. Auch das Bedürfnis nach gesellschaftlicher Anerkennung, nach Ruhm und Ehre, kann ich nicht in mir finden.
Ich bin zufrieden mit meinem Leben und suche doch nach mehr.
Ist das der Fluch des Menschseins?
Ist genug nie genug?

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Symbiose

Mein gesamtes bisheriges Leben war politisch geprägt vom Kampf zwischen Kapitalismus und Kommunismus, zwischen rechts und links. Auch ich war lange ein Teil dieses Konflikts, stand auf der Seite der Linken, schimpfte auf die Reichen und glaubte die Lösung der sozialen Probleme sei nur mit dem Kommunismus zu erreichen. In der Praxis hat sich aber gezeigt, dass eine staatlich gelenkte Wirtschaft nicht funktioniert. Fast alle kommunistischen Diktaturen haben die Planwirtschaft aufgegeben. Sie hat sich als nicht wettbewerbsfähig erwiesen. Geteilte Armut macht keinen Sinn.
Auf der anderen Seite zerstört der Kapitalismus den Zusammenhalt der Gesellschaft. Das Versprechen des Reichtums für alle hat sich als Wunschtraum entpuppt, die Kluft zwischen arm und reich wächst beständig. Die Globalisierung hat Politiker zu Handlangern der Konzerne degradiert, die mit einer oft nur angedeutenden Drohung Arbeitsplätze zu verlagern Gesetze diktieren. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis auch die Ideologie der freien Marktwirtschaft an den selbsterzeugten Problemen scheitert.
Bei genauerer Betrachtung kommt man irgendwann zu dem Ergebnis, dass beide Systeme das gleiche Problem haben: die menschliche Natur. Fast jeder Mensch wird noch immer mehr oder weniger vom Sammeltrieb beherrscht, der unseren Vorfahren einst das Überleben und später die Entstehung unterschiedlicher Kulturen ermöglichte.
Von Moralisten oft als Gier diffamiert, ist dieser Aspekt des menschlichen Wesens die stärkste aller Motivationsquellen und durch keine Ideologie zu ersetzen. Doch wie alle anderen Triebe braucht auch der Sammeltrieb Regeln, um ein friedliches Zusammenleben der Menschen zu ermöglichen.
Weder die unterdrückte Gier des Kommunismus noch die entfesselte Gier des Kapitalismus haben eine langfristig stabile Gesellschaftsordnung geschaffen. Wo der Kommunismus zu einer Demotivation der Menschen und in Folge dessen zu Mangel in vielen Bereichen führte, zerstört der Kapitalismus durch die schlechte Verteilung des Überflusses den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Wenn die Menschen in erster Linie für den eigenen Wohlstand arbeiten wollen, macht es keinen Sinn das zu verbieten. Andererseits ist es für die Gesellschaft problematisch, wenn Arbeitgeber oder Aktionäre den größten Teil der Erträge aus dieser Arbeit für sich beanspruchen.
Die Lösung des Problems kann in der Symbiose der beiden Systeme liegen. Das Zauberwort heißt Genossenschaft. Wenn die Arbeiter in einer Fabrik gleichzeitig auch die Eigentümer dieser Fabrik sind, ist die Motivation hoch, wahrscheinlich noch höher als im Kapitalismus. Gleichzeitig führt der gemeinsame Besitz der Fabrik dazu, dass die Gewinne aus dem Unternehmen gerechter verteilt werden.
Wie das im Einzelnen geregelt wird, muss jede Genossenschaft selbst entscheiden. Auch in dieser Form ist ein Unternehmen dazu gezwungen sich am Markt zu behaupten, einen Teil der Erträge in die Firma zu investieren, gut zu wirtschaften. Die Einnahmen einfach irgendwie an alle zu verteilen wird nicht funktionieren. Auch eine Genossenschaft kann pleite gehen.
Die Umwandlung aller Produktionsstätten in Genossenschaften wird nicht jedes Gesellschaftsproblem lösen. Sie wird auch nicht alle Menschen gleich reich machen. Doch sie wird die extremen Unterschiede zwischen arm und reich verringern. Das wäre ein guter Anfang für eine bessere Gesellschaft.

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