Primitive Rudeltiere

Stolz präsentiert sich der Mensch als Krone der Schöpfung, bewundert seinen technischen Fortschritt und sein Gehirn.
Leider wird dieses Gehirn nicht oder falsch genutzt. Es gibt uns die Möglichkeit uns selbst und unser Verhalten zu betrachten und zu ändern. Diese Nutzungsmöglichkeit wird nur von sehr wenigen Menschen in Anspruch genommen.
Egal ob Bankier oder Bankräuber, Arbeitgeber oder Arbeitnehmer, Herr oder Sklave, Täter oder Opfer, im Verhalten unterscheiden wir uns nicht von primitiven Rudeltieren. Noch immer wird unser Alltag von einer Hackordnung geprägt. Wir definieren uns selbst über die Stellung, die wir in unserem Rudel einnehmen, statt uns nach dem Kern unseres Wesens zu fragen und zur Eigenständigkeit zu gelangen. Status ist wichtiger als Authentizität, es sei denn diese Authentizität dient dazu den eigenen Status zu verbessern.
Krieg, Fremdenfeindlichkeit, Ausbeutung und Umweltzerstörung sind nur einige Folgen dieser Verhaltensmuster. Wir streiten darum, wessen Rudel dominiert, die einzige Wahrheit kennt, prügeln uns um Ressourcen, verkaufen uns an die Anerkennung des Rudels.
Das Gehirn nutzen wir nur, um bessere Strategien, bessere Waffen, eine bessere Selbstdarstellung zu erfinden.
Arme Menschheit.

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Kommunismus

Oh weh, jetzt steht es da, das böse Wort.
„Dann geh doch nach drüben.“ hat man mir in meiner Jugend immer wieder an den Kopf geworfen. Das Argument, dass es auch drüben keinen Kommunismus gibt, traf dann auf taube Ohren.
Drüben ist nur für den schlechten Ruf des Wortes verantwortlich, aber kein Beispiel dafür, wie eine kommunistisch strukturierte Gesellschaft aussehen kann. Auch drüben gehörten die Fabriken nicht den Arbeitern, sondern irgendwelchen Bonzen. Und nach dem Zusammenbruch des real existierenden Sozialismus steht nun auch der Kapitalismus vor dem Ende.
Egal welches Etikett ein Wirtschaftssystem bisher auch getragen hat, alle basierten auf dem Prinzip der Ausbeutung. Ob Sklave, Leibeigener oder Arbeiter, immer gab es jemand, der seinen Wohlstand durch die Arbeit anderer erreichte. Ob dieser Ausbeuter sich König oder Kaufmann, Aktionär oder Funktionär nennt, macht keinen großen Unterschied. Andere für sich arbeiten zu lassen ist, seitdem der erste Häuptling sich auf einen Thron setzte, das große Übel der Menschheit.
Was meine ich, wenn ich von Kommunismus schreibe?
Meine Vision einer gerechteren Gesellschaft beginnt an der Basis, nicht bei der Politik. Sie beginnt bei den Menschen, die ein Recht darauf haben die Früchte ihrer Arbeit selbst zu ernten. Die Basis des Kommunismus kann nur die Kommune sein.
Ob eine Kommune aus zwei, zehn oder hundert Menschen besteht, welche Kultur sie zelebriert, welche Weltanschauung sie vertritt, ist nur für sie selbst wichtig. Die kleine Kneipe kann zwei Menschen ernähren, die Bäckerei ein Dutzend, die Manufaktur viele. Eine Künstlerkommune wird eine andere Weltsicht haben, als die Stahlgießerei. Doch gerade die Vielzahl unterschiedlicher Lebensweisen und Vorstellungen gibt jungen Menschen eine echte Wahl für die eigene Zukunft.
Auch Kommunen müssen sich am Markt behaupten. Schlechte Qualität zu überhöhten Preisen zu produzieren funktioniert zwar im Kapitalismus, wird aber ohne die Marktmacht dominanter Konzerne nicht zum Erfolg führen. Kommunismus befreit nicht von wirtschaftlichen Zwängen.
Auch wenn alle Güter und Dienstleistungen durch Kommunen bereitgestellt werden, wird es arm und reich geben. Das ist nicht nur aber auch eine Frage der eigenen Ansprüche. Es wird Kommunen geben, die nach Wohlstand streben, Sekt und Kaviar zum Frühstück tafeln und dafür hart und viel arbeiten wollen. Und es wird Kommunen geben, die wenig arbeiten und viel Zeit mit Spiel und Tanz verbringen wollen. Beide können nebeneinander existieren. Nur wenn es beide gibt, haben die Menschen eine Wahl, wie sie leben wollen.
Es wird Kommunen geben, die nicht wirtschaftlich sind und bankrott gehen und andere, die aufgrund menschlicher Differenzen zerbrechen. Auch in einer kommunistischen Gesellschaft wird es Menschen geben, die nirgendwo hineinpassen, keinen Platz in einer Kommune finden. Das können Behinderte oder Kranke sein. Pechvögel oder Wandervögel. Notorische Eigenbrötler.
Auch für diese Menschen muss eine kommunistische Gesellschaft einen Platz und das tägliche Brot bereitstellen. Eine bessere Gesellschaft bringt nicht automatisch bessere Menschen hervor, aber auch „schlechte“ Menschen haben ein Recht auf ein Leben in Würde.
Deshalb braucht die Menschheit Regierungen. Anarchie ist eine schöne Idee, doch sie funktioniert nicht. Die Menschen brauchen Regeln, um friedlich nebeneinander ihre eigene Weltanschauung leben zu können. Ohne Gesetze und ihre Überwachung gilt nur das Recht des Stärkeren. Und um ihre Aufgaben erfüllen zu können braucht eine Regierung Geld. Auch Kommunisten müssen Steuern zahlen.
Was nicht gebraucht wird, ist ein Ersatzkönig. Oder der Berufspolitiker, der mehr seine eigenen Interessen im Sinn hat, als die derjenigen, für die er regiert. Ein Parlament aus Abgeordneten der Kommunen als Gemeinderat, der einen Abgeordneten in die übergeordnete Verwaltungseinheit schickt, eine Räterepublik, die gemeinsam Lösungen für Probleme der Infrastruktur, der Sicherheit aller Menschen, der Gesundheitsfürsorge entwickelt, ist deutlich besser geeignet diese Aufgabe zu übernehmen, als eine von zwei Parteien, die als Scheindemokratie nur den eigenen Machterhalt im Sinn hat.
Viele und doch zu wenige Gedanken zu einem komplexen Thema. Ich behaupte nicht den Stein der Weisen gefunden zu haben. Meine Ideen zum Kommunismus malen keine heile Welt. Die heilen Welten sind alle gescheitert, weil sie die menschliche Natur ignorierten. Der Mensch wird nicht von Vernunft geleitet, sondern von Bedürfnissen und Ängsten getrieben. Daran wird keine Idee etwas ändern. Auch meine nicht. Aber vielleicht helfen meine Gedanken dabei, eine etwas gerechtere Gesellschaft zu entwickeln.

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Symbiose

Mein gesamtes bisheriges Leben war politisch geprägt vom Kampf zwischen Kapitalismus und Kommunismus, zwischen rechts und links. Auch ich war lange ein Teil dieses Konflikts, stand auf der Seite der Linken, schimpfte auf die Reichen und glaubte die Lösung der sozialen Probleme sei nur mit dem Kommunismus zu erreichen. In der Praxis hat sich aber gezeigt, dass eine staatlich gelenkte Wirtschaft nicht funktioniert. Fast alle kommunistischen Diktaturen haben die Planwirtschaft aufgegeben. Sie hat sich als nicht wettbewerbsfähig erwiesen. Geteilte Armut macht keinen Sinn.
Auf der anderen Seite zerstört der Kapitalismus den Zusammenhalt der Gesellschaft. Das Versprechen des Reichtums für alle hat sich als Wunschtraum entpuppt, die Kluft zwischen arm und reich wächst beständig. Die Globalisierung hat Politiker zu Handlangern der Konzerne degradiert, die mit einer oft nur angedeutenden Drohung Arbeitsplätze zu verlagern Gesetze diktieren. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis auch die Ideologie der freien Marktwirtschaft an den selbsterzeugten Problemen scheitert.
Bei genauerer Betrachtung kommt man irgendwann zu dem Ergebnis, dass beide Systeme das gleiche Problem haben: die menschliche Natur. Fast jeder Mensch wird noch immer mehr oder weniger vom Sammeltrieb beherrscht, der unseren Vorfahren einst das Überleben und später die Entstehung unterschiedlicher Kulturen ermöglichte.
Von Moralisten oft als Gier diffamiert, ist dieser Aspekt des menschlichen Wesens die stärkste aller Motivationsquellen und durch keine Ideologie zu ersetzen. Doch wie alle anderen Triebe braucht auch der Sammeltrieb Regeln, um ein friedliches Zusammenleben der Menschen zu ermöglichen.
Weder die unterdrückte Gier des Kommunismus noch die entfesselte Gier des Kapitalismus haben eine langfristig stabile Gesellschaftsordnung geschaffen. Wo der Kommunismus zu einer Demotivation der Menschen und in Folge dessen zu Mangel in vielen Bereichen führte, zerstört der Kapitalismus durch die schlechte Verteilung des Überflusses den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Wenn die Menschen in erster Linie für den eigenen Wohlstand arbeiten wollen, macht es keinen Sinn das zu verbieten. Andererseits ist es für die Gesellschaft problematisch, wenn Arbeitgeber oder Aktionäre den größten Teil der Erträge aus dieser Arbeit für sich beanspruchen.
Die Lösung des Problems kann in der Symbiose der beiden Systeme liegen. Das Zauberwort heißt Genossenschaft. Wenn die Arbeiter in einer Fabrik gleichzeitig auch die Eigentümer dieser Fabrik sind, ist die Motivation hoch, wahrscheinlich noch höher als im Kapitalismus. Gleichzeitig führt der gemeinsame Besitz der Fabrik dazu, dass die Gewinne aus dem Unternehmen gerechter verteilt werden.
Wie das im Einzelnen geregelt wird, muss jede Genossenschaft selbst entscheiden. Auch in dieser Form ist ein Unternehmen dazu gezwungen sich am Markt zu behaupten, einen Teil der Erträge in die Firma zu investieren, gut zu wirtschaften. Die Einnahmen einfach irgendwie an alle zu verteilen wird nicht funktionieren. Auch eine Genossenschaft kann pleite gehen.
Die Umwandlung aller Produktionsstätten in Genossenschaften wird nicht jedes Gesellschaftsproblem lösen. Sie wird auch nicht alle Menschen gleich reich machen. Doch sie wird die extremen Unterschiede zwischen arm und reich verringern. Das wäre ein guter Anfang für eine bessere Gesellschaft.

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