Geh doch nach drüben

Ich kann nicht zählen wie oft ich diesen Satz hörte, wenn ich wieder einmal (damals noch jung und wild) die kapitalistische Lohnsklaverei kritisierte. Doch „drüben“ war nie eine Alternative für mich. Es gab ja auch dort keinen Kommunismus. Auch in der DDR herrschte noch das überholte Familienmodell.
Wenn ich Kommunismus sage, meine ich Kommunismus, also das Leben in Kommunen. Familien kommen in meiner Utopie nicht vor.
Es ist ökologisch und ökonomisch sinnvoller für dreißig als für drei Personen zu kochen. Wenn vier (oder drei oder fünf oder…) Mütter in einem Haushalt zusammen leben hat jede weniger Mühsal. Man muss nicht mehr verzweifelt nach einer oft kostenpflichtigen Ersatzmutter suchen, wenn man zum Arzt oder ins Kino gehen will.
Die Kinder wachsen mit einer Vielzahl an unterschiedlichen Vorbildern auf und können so leichter eine eigenständige Persönlichkeit entwickeln, lernen auf der anderen Seite ganz automatisch Toleranz und soziales Verhalten.
Wirtschaftlich ist eine Kommune durch die breitere Basis stabiler als eine Familie und wem es in der Kommune nicht mehr gefällt sucht sich einfach eine andere. Und so weiter und so fort…
…denn wie alle Utopien hat auch meine einen Haken.
Nur sehr wenige Menschen sind dazu fähig als Individuen zu kooperieren. In der Gruppe, egal ob Familie oder Kommune, werden sie wieder zu primitiven Rudeltieren und verschwenden Zeit und Energie mit blödsinnigen Rangkämpfen.
Deshalb gab und gibt es für mich kein drüben.