Demokratur (2012)

Die Jahrzehnte langen Bemühungen des kapitalistischen Westens ihr Erfolgsmodell Demokratie in die ganze Welt zu exportieren scheint erste Erfolge zu bringen. Doch sie sehen anders aus als erwartet.
Wo hierzulande die Wahl zwischen zwei Regierungsoptionen ohne nennenswerte Unterschiede von einer großen Mehrheit getragen wird sieht das in Ägypten ganz anders aus. Die Mehrheit hat Mursi gewählt und will in einem islamisch regierten Land leben. Doch es ist nur eine kleine Mehrheit, die einer großen Minderheit vorschreiben will, wie sie zu leben hat. Das ist demokratisch einwandfrei und zeigt dabei deutlich das Problem der Demokratie. Die Mehrheit hat nicht das Wohl aller im Sinn, sondern die eigenen Interessen. Mehrheit ist kein Kriterium für Intelligenz, Vernunft oder Toleranz. Im Gegenteil. Die Mehrheit ist meistens eine stumpfsinnige Horde, die auch schon mal nach dem totalen Krieg brüllt, wenn der Leithammel charismatisch blökt.
Leider bleibt die Demokratie die beste all der schlechten Regierungsformen, die die Menschheit noch immer braucht.

Mehr Demokratie?

Zur Zeit kann man wieder einmal wunderbar beobachten, wer der größte Feind der Demokratie ist: die Parteien. Statt sich um die reichlich vorhandenen Probleme zu kümmern, verhandeln die Abgeordneten über mögliche Bündnisse, die keinem Bürger etwas nützen. Parteien gehören verboten.
Warum dürfen wir nicht einfach Abgeordnete wählen, die unsere Interessen im Parlament vertreten?
Wenn jeder dieser Politiker dann Gesetze vorschlagen darf, über die im Bundestag abgestimmt wird, die Mehrheitsentscheidung transparent ist und jeder Abgeordnete von seinem Wahlkreis jederzeit abgewählt werden kann, hat das Volk tatsächlich Einfluß auf die Politik. Dann müssten die Lobbyisten jeden Politiker einzeln bestechen.
Das erklärt wohl auch, warum es Parteien gibt. Die Demokratie wird dem Bürger nur vorgegaukelt. Er soll nicht mitbestimmen.
Andererseits, wenn ich mir die Bürger so anhöre, ist es wahrscheinlich besser für alle, wenn sie ihre Stimme abgeben und danach nichts mehr zu sagen haben.