Gedankenspiele

Ich bin ein Linker, ein Anarchist und Kommunist, ein Idealist, der von einer gerechteren Welt ohne Zäune und Grenzen träumt.
Ich habe gelernt so zu denken. Vielleicht, weil ich keine Heimat hatte, keinen einen Ort der Kindheit, keine Gemeinde. Ich war schon als Kind überall ein Fremder.
Ich denke linke Gedanken. Das ist der Brunnen, aus dem ich schöpfe. Doch er ist nicht die einzige Gedankenquelle, nicht die einzige Art zu denken. Jeder hat seinen eigenen Brunnen, auch wenn viele davon sich ähnlich sehen. Jedes Gehirn erschafft sich eine eigene Quelle, einen eigenen Quellcode, aus dem die Gedanken entstehen.
Ich denke, also bin ich. Doch ich bin nicht, was ich denke.
Meine Gedanken haben ein Bild von mir geformt. Aus dem Spiegel schaut mich ein anderes Gesicht an. Auch für meine Gedanken bin ich ein Fremder. Ich bin kein Linker, kein Anarchist und Kommunist. Ich bin nur ein Mensch, der linke Gedanken denkt. Bin ich ein besserer Mensch, als jener, der an Heimat denkt, an Familie, Geborgenheit, Eigenheim und Gartenzaun?
Ich bin ein Mensch. So wie du. Wir denken unterschiedliche Gedanken. Wir streiten darum, wer Recht hat. Wir sind uns fremd, doch nur in Gedanken. Wenn wir beide schweigen, sehe ich nur einen Menschen. So wie im Spiegel.

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