Glasmensch

Wir werden alle überwacht. Nicht nur von Geheimdiensten. Firmen durchsuchen bei Bewerbungen das Internet nach unseren Spuren, Versicherungen nutzen Algorithmen bei der Kalkulation unserer Beitragssätze. Bald wird man ohne positive Bewertung unserer digitalen Persönlichkeit keinen Kredit mehr bekommen.
Und das ist erst der Anfang.
In nicht allzu ferner Zukunft werden wir von unserer Datenbrille zu jedem Gesicht eine Vielzahl an Informationen zu dem Menschen bekommen, dem wir gerade auf der Straße begegnen. Die Technik ist schon da, die Diskussion noch nicht.
Für viele Menschen ist das Szenario des gläsernen Bürgers eine Horrorvorstellung. Wir haben gelernt uns zu verstecken, in der Öffentlichkeit Masken zu tragen, uns selbst in die Zelle des Privaten zu sperren. Plötzlich nackt mit all unseren Macken und Vorlieben für jeden sichtbar zu sein, macht uns Angst. Angst vor Diskriminierung und Ausgrenzung.
Leider nicht grundlos.
Schon als Kind lernen wir, dass wir nur akzeptiert und geliebt werden, wenn wir uns bestimmten Vorgaben entsprechend verhalten. Wer nicht brav ist, wird bestraft. Wir lernen uns zu verstecken.
Was geschieht, wenn wir uns nicht mehr verstecken können?
Nichts wird die Gesellschaft stärker verändern, als der gläserne Bürger. Noch wird diese Idee mit Orwell und Stasi in Verbindung gebracht. Doch was geschieht, wenn nicht nur der Staat, sondern jeder alles über jeden wissen kann, ist schwer einzuschätzen.
Vielleicht passiert das Gegenteil von dem, was wir befürchten. Vielleicht wird die Gesellschaft offener. Wenn jeder alles von jedem weiß, muss sich niemand mehr mehr verstecken. Außer den Kinderfickern, Menschenhändlern, Frauenmördern, Kriegsverbrechern. Die werden, einmal enttarnt, ein Leben lang mit dem Kainsmal herumlaufen müssen. Vielleicht verhindert das solche Taten.
Ich kann nicht in die Zukunft sehen.
Doch ich will die Vision des gläsernen Bürgers nicht verdammen, bevor ich sie gesehen habe. Vielleicht wird alles ganz anders, als wir befürchten.

Gedankenspiele

Ich bin ein Linker, ein Anarchist und Kommunist, ein Idealist, der von einer gerechteren Welt ohne Zäune und Grenzen träumt.
Ich habe gelernt so zu denken. Vielleicht, weil ich keine Heimat hatte, keinen einen Ort der Kindheit, keine Gemeinde. Ich war schon als Kind überall ein Fremder.
Ich denke linke Gedanken. Das ist der Brunnen, aus dem ich schöpfe. Doch er ist nicht die einzige Gedankenquelle, nicht die einzige Art zu denken. Jeder hat seinen eigenen Brunnen, auch wenn viele davon sich ähnlich sehen. Jedes Gehirn erschafft sich eine eigene Quelle, einen eigenen Quellcode, aus dem die Gedanken entstehen.
Ich denke, also bin ich. Doch ich bin nicht, was ich denke.
Meine Gedanken haben ein Bild von mir geformt. Aus dem Spiegel schaut mich ein anderes Gesicht an. Auch für meine Gedanken bin ich ein Fremder. Ich bin kein Linker, kein Anarchist und Kommunist. Ich bin nur ein Mensch, der linke Gedanken denkt. Bin ich ein besserer Mensch, als jener, der an Heimat denkt, an Familie, Geborgenheit, Eigenheim und Gartenzaun?
Ich bin ein Mensch. So wie du. Wir denken unterschiedliche Gedanken. Wir streiten darum, wer Recht hat. Wir sind uns fremd, doch nur in Gedanken. Wenn wir beide schweigen, sehe ich nur einen Menschen. So wie im Spiegel.

Ist der Humanismus am Ende?

Auch wenn Europa weit davon entfernt ist humanistisch zu sein, Kapitalismus und Humanismus vertragen sich nicht, ist die Idee einer humanistischen Gesellschaft doch eine Grundsäule unseres Zusammenlebens. Doch immer mehr Menschen wenden sich von dieser Idee ab und radikalen Positionen zu.
Ist der Humanismus gescheitert?
Religionsfreiheit ist eine der Grundlagen des Humanismus. Jahrhunderte voller Religionskriege haben uns gelehrt, dass man Andersgläubige nicht mit Feuer und Schwert zum eigenen Dogma bekehren kann. Leider scheint diese Lehre bei vielen Menschen nicht angekommen zu sein und von öffentlicher Propaganda angeheizt beginnt wieder einmal der Kampf der Religionen.
„Multikulti ist gescheitert.“ steht auf den Plakaten, die fremdenfeindliche Wutbürger auf ihren Demonstrationszügen in die Kameras halten. Doch nicht fremde Kulturen sind ihr Ziel. Sie wollen nicht Mc Donalds oder Dönerbuden aus dem Stadtbild entfernen, sondern Kopftücher und Moscheen. Der Kreuzzug richtet sich noch immer gegen die Muslime.
Dass viele Muslime sich nicht zu den humanistischen Werten Europas bekennen, gehört zwar zu den Ursachen des sich verschärfenden Konflikts. Doch kann man von ihnen fordern, was man den Katholiken nicht zumuten will? Auch die weigern sich noch immer die Gleichberechtigung von Mann und Frau in die Praxis ihrer Religionsausübung zu integrieren.
Man kann Humanismus nicht befehlen und auch religiöser Wahn lässt sich nicht durch ein Gesetz aus der Welt schaffen. Nicht einmal Lenin und Stalin haben es geschafft die Religion abzuschaffen. Glauben lässt sich nicht verbieten.
Nun werden die uralten Konflikte zwischen den jüdischen Sekten, zu denen man auch Christentum und Islam zählen kann, wieder einmal für politische Ziele genutzt. Opfer sind nicht nur zahlreiche Menschen, die zwischen den Fronten einen gewaltsamen Tod finden, sondern auch die Idee der offenen Gesellschaft.
Wird der Humanismus diesen Konflikt überleben?

Kommunismus

Oh weh, jetzt steht es da, das böse Wort.
„Dann geh doch nach drüben.“ hat man mir in meiner Jugend immer wieder an den Kopf geworfen. Das Argument, dass es auch drüben keinen Kommunismus gibt, traf dann auf taube Ohren.
Drüben ist nur für den schlechten Ruf des Wortes verantwortlich, aber kein Beispiel dafür, wie eine kommunistisch strukturierte Gesellschaft aussehen kann. Auch drüben gehörten die Fabriken nicht den Arbeitern, sondern irgendwelchen Bonzen. Und nach dem Zusammenbruch des real existierenden Sozialismus steht nun auch der Kapitalismus vor dem Ende.
Egal welches Etikett ein Wirtschaftssystem bisher auch getragen hat, alle basierten auf dem Prinzip der Ausbeutung. Ob Sklave, Leibeigener oder Arbeiter, immer gab es jemand, der seinen Wohlstand durch die Arbeit anderer erreichte. Ob dieser Ausbeuter sich König oder Kaufmann, Aktionär oder Funktionär nennt, macht keinen großen Unterschied. Andere für sich arbeiten zu lassen ist, seitdem der erste Häuptling sich auf einen Thron setzte, das große Übel der Menschheit.
Was meine ich, wenn ich von Kommunismus schreibe?
Meine Vision einer gerechteren Gesellschaft beginnt an der Basis, nicht bei der Politik. Sie beginnt bei den Menschen, die ein Recht darauf haben die Früchte ihrer Arbeit selbst zu ernten. Die Basis des Kommunismus kann nur die Kommune sein.
Ob eine Kommune aus zwei, zehn oder hundert Menschen besteht, welche Kultur sie zelebriert, welche Weltanschauung sie vertritt, ist nur für sie selbst wichtig. Die kleine Kneipe kann zwei Menschen ernähren, die Bäckerei ein Dutzend, die Manufaktur viele. Eine Künstlerkommune wird eine andere Weltsicht haben, als die Stahlgießerei. Doch gerade die Vielzahl unterschiedlicher Lebensweisen und Vorstellungen gibt jungen Menschen eine echte Wahl für die eigene Zukunft.
Auch Kommunen müssen sich am Markt behaupten. Schlechte Qualität zu überhöhten Preisen zu produzieren funktioniert zwar im Kapitalismus, wird aber ohne die Marktmacht dominanter Konzerne nicht zum Erfolg führen. Kommunismus befreit nicht von wirtschaftlichen Zwängen.
Auch wenn alle Güter und Dienstleistungen durch Kommunen bereitgestellt werden, wird es arm und reich geben. Das ist nicht nur aber auch eine Frage der eigenen Ansprüche. Es wird Kommunen geben, die nach Wohlstand streben, Sekt und Kaviar zum Frühstück tafeln und dafür hart und viel arbeiten wollen. Und es wird Kommunen geben, die wenig arbeiten und viel Zeit mit Spiel und Tanz verbringen wollen. Beide können nebeneinander existieren. Nur wenn es beide gibt, haben die Menschen eine Wahl, wie sie leben wollen.
Es wird Kommunen geben, die nicht wirtschaftlich sind und bankrott gehen und andere, die aufgrund menschlicher Differenzen zerbrechen. Auch in einer kommunistischen Gesellschaft wird es Menschen geben, die nirgendwo hineinpassen, keinen Platz in einer Kommune finden. Das können Behinderte oder Kranke sein. Pechvögel oder Wandervögel. Notorische Eigenbrötler.
Auch für diese Menschen muss eine kommunistische Gesellschaft einen Platz und das tägliche Brot bereitstellen. Eine bessere Gesellschaft bringt nicht automatisch bessere Menschen hervor, aber auch „schlechte“ Menschen haben ein Recht auf ein Leben in Würde.
Deshalb braucht die Menschheit Regierungen. Anarchie ist eine schöne Idee, doch sie funktioniert nicht. Die Menschen brauchen Regeln, um friedlich nebeneinander ihre eigene Weltanschauung leben zu können. Ohne Gesetze und ihre Überwachung gilt nur das Recht des Stärkeren. Und um ihre Aufgaben erfüllen zu können braucht eine Regierung Geld. Auch Kommunisten müssen Steuern zahlen.
Was nicht gebraucht wird, ist ein Ersatzkönig. Oder der Berufspolitiker, der mehr seine eigenen Interessen im Sinn hat, als die derjenigen, für die er regiert. Ein Parlament aus Abgeordneten der Kommunen als Gemeinderat, der einen Abgeordneten in die übergeordnete Verwaltungseinheit schickt, eine Räterepublik, die gemeinsam Lösungen für Probleme der Infrastruktur, der Sicherheit aller Menschen, der Gesundheitsfürsorge entwickelt, ist deutlich besser geeignet diese Aufgabe zu übernehmen, als eine von zwei Parteien, die als Scheindemokratie nur den eigenen Machterhalt im Sinn hat.
Viele und doch zu wenige Gedanken zu einem komplexen Thema. Ich behaupte nicht den Stein der Weisen gefunden zu haben. Meine Ideen zum Kommunismus malen keine heile Welt. Die heilen Welten sind alle gescheitert, weil sie die menschliche Natur ignorierten. Der Mensch wird nicht von Vernunft geleitet, sondern von Bedürfnissen und Ängsten getrieben. Daran wird keine Idee etwas ändern. Auch meine nicht. Aber vielleicht helfen meine Gedanken dabei, eine etwas gerechtere Gesellschaft zu entwickeln.

Identität

Schon seit Jahren versuche ich zu verstehen, was Menschen dazu bewegt den Rattenfängern nachzulaufen. Nun hat mir einer dieser Rattenfänger eine nachvollziehbare Erklärung gegeben, die identitäre Bewegung.
Scheinbar besitzen viele Menschen keine eigene Identität und versuchen sich diese durch die Zugehörigkeit zu einer Gruppe zu verleihen. Das erklärt nicht nur politische Bewegungen, sondern auch Fußballfans, Sekten und Familienclans. Wer nicht weiß, wer er ist, versucht Teil von einem wir zu sein.
Diese Suche nach geborgter Identität muss nicht zwangsläufig im politisch rechten Spektrum enden. Ich konnte dieses Verhalten ja auch bei unterschiedlichen linken Gruppen beobachten. Dort ist es nur etwas komplizierter. Es reicht nicht links zu sein, man muss auch richtig links sein, also dem eigenen elitären Zirkel angehören.
Scheinbar wird das gesamte Sozialverhalten der Gesellschaft von diesem Mangel an eigener Identität beherrscht. Die Menschen definieren sich über ihr soziales Umfeld, über die Menschen, mit denen sie sich umgeben.
Nur eine Minderheit hat eine autonome Persönlichkeit, sieht sich als Mensch unter Menschen, nennt sich selbst nicht Deutscher oder Katholik und kann sich als Individuum keine Fremdenfeindlichkeit erlauben, weil jeder andere Mensch ein Fremder ist.
Auch diese Antwort führt mal wieder zu neuen Fragen. Ist dieses Verhalten der Mehrheit eine Folge der Erziehung oder ein Ergebnis des Rudelinstinkts? Kann die Menschheit diesen Mangel an Individualität und die daraus resultierenden Konflikte überwinden? Und wie?

Symbiose

Mein gesamtes bisheriges Leben war politisch geprägt vom Kampf zwischen Kapitalismus und Kommunismus, zwischen rechts und links. Auch ich war lange ein Teil dieses Konflikts, stand auf der Seite der Linken, schimpfte auf die Reichen und glaubte die Lösung der sozialen Probleme sei nur mit dem Kommunismus zu erreichen. In der Praxis hat sich aber gezeigt, dass eine staatlich gelenkte Wirtschaft nicht funktioniert. Fast alle kommunistischen Diktaturen haben die Planwirtschaft aufgegeben. Sie hat sich als nicht wettbewerbsfähig erwiesen. Geteilte Armut macht keinen Sinn.
Auf der anderen Seite zerstört der Kapitalismus den Zusammenhalt der Gesellschaft. Das Versprechen des Reichtums für alle hat sich als Wunschtraum entpuppt, die Kluft zwischen arm und reich wächst beständig. Die Globalisierung hat Politiker zu Handlangern der Konzerne degradiert, die mit einer oft nur angedeutenden Drohung Arbeitsplätze zu verlagern Gesetze diktieren. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis auch die Ideologie der freien Marktwirtschaft an den selbsterzeugten Problemen scheitert.
Bei genauerer Betrachtung kommt man irgendwann zu dem Ergebnis, dass beide Systeme das gleiche Problem haben: die menschliche Natur. Fast jeder Mensch wird noch immer mehr oder weniger vom Sammeltrieb beherrscht, der unseren Vorfahren einst das Überleben und später die Entstehung unterschiedlicher Kulturen ermöglichte.
Von Moralisten oft als Gier diffamiert, ist dieser Aspekt des menschlichen Wesens die stärkste aller Motivationsquellen und durch keine Ideologie zu ersetzen. Doch wie alle anderen Triebe braucht auch der Sammeltrieb Regeln, um ein friedliches Zusammenleben der Menschen zu ermöglichen.
Weder die unterdrückte Gier des Kommunismus noch die entfesselte Gier des Kapitalismus haben eine langfristig stabile Gesellschaftsordnung geschaffen. Wo der Kommunismus zu einer Demotivation der Menschen und in Folge dessen zu Mangel in vielen Bereichen führte, zerstört der Kapitalismus durch die schlechte Verteilung des Überflusses den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Wenn die Menschen in erster Linie für den eigenen Wohlstand arbeiten wollen, macht es keinen Sinn das zu verbieten. Andererseits ist es für die Gesellschaft problematisch, wenn Arbeitgeber oder Aktionäre den größten Teil der Erträge aus dieser Arbeit für sich beanspruchen.
Die Lösung des Problems kann in der Symbiose der beiden Systeme liegen. Das Zauberwort heißt Genossenschaft. Wenn die Arbeiter in einer Fabrik gleichzeitig auch die Eigentümer dieser Fabrik sind, ist die Motivation hoch, wahrscheinlich noch höher als im Kapitalismus. Gleichzeitig führt der gemeinsame Besitz der Fabrik dazu, dass die Gewinne aus dem Unternehmen gerechter verteilt werden.
Wie das im Einzelnen geregelt wird, muss jede Genossenschaft selbst entscheiden. Auch in dieser Form ist ein Unternehmen dazu gezwungen sich am Markt zu behaupten, einen Teil der Erträge in die Firma zu investieren, gut zu wirtschaften. Die Einnahmen einfach irgendwie an alle zu verteilen wird nicht funktionieren. Auch eine Genossenschaft kann pleite gehen.
Die Umwandlung aller Produktionsstätten in Genossenschaften wird nicht jedes Gesellschaftsproblem lösen. Sie wird auch nicht alle Menschen gleich reich machen. Doch sie wird die extremen Unterschiede zwischen arm und reich verringern. Das wäre ein guter Anfang für eine bessere Gesellschaft.

Menschlichkeit

Jedes mal, wenn ich jemanden von Menschlichkeit reden höre, denke ich darüber nach, was für ein seltsames Menschenbild wir haben. Was wir Menschlichkeit nennen passt zu keinem Menschen, dem ich je begegnet bin. In jedem von ihnen steckte zumindest ein wenig von dem, was wir Unmensch nennen. Da Sprache unsere Wahrnehmung in großem Maße bestimmt, haben diese Falschaussagen einen erheblichen Einfluss auf unsere Gesellschaft.
Von Kindheit an zur Menschlichkeit ermahnt fangen wir irgendwann damit an die als unmenschlich klassifizierten Eigenschaften in uns zu leugnen. Keiner will ein Unmensch sein. Das führt dazu, dass wir Teile unserer eigenen Natur nicht mehr sehen, blind gegenüber den negativ besetzten Eigenschaften werden.
Auch ich wollte ein guter Mensch sein. Auch ich habe versucht Gier, Neid und Wut in einem dunklen Kellerloch zu vergraben und mich selbst als heilige Lichtgestalt zu betrachten. Es hat nicht funktioniert. Unkontrolliert sind diese Seiten meiner Natur immer wieder ausgebrochen und verursachten Schmerz und Leid bei mir und anderen.
Wer seine Gier, seine Wut, seine Aggressivität nicht wahrnimmt, wird zum Sklaven dieser Aspekte der menschlichen Natur. Im Unterbewusstsein sind diese Eigenschaften noch immer aktiv. Wenn unser Bewusstsein sie nicht sehen kann, haben wir keine Möglichkeit uns gegen die daraus resultierenden Handlungen zu entscheiden. Die Idee das Böse durch Leugnung zu verbannen ist gescheitert.
Auf dem Weg der Selbsterkenntnis musste ich auch in den Keller hinab. Das war nicht angenehm. Was ich dort in der Dunkelheit fand, hat mir nicht gefallen. Doch auch dieser Keller gehört zu mir, auch die dort existierenden Regungen sind Teil meiner Natur. Und sie leben bis heute in diesem Keller, sind dort Zuhause. Doch die Tür steht offen. Gier, Neid und Wut wandern durch das Haus meiner Seele, sitzen mit Freundlichkeit und Vernunft am Küchentisch.
Manchmal bekommen sie Ausgang.
Bin ich ein Unmensch?

Namensrecht

Ich nenne mich seit über fünfunddreißig Jahren Arpan, doch offiziell kann ich diesen Namen nicht benutzen. Bei Behörden und in offiziellen Dokumenten muss ich einen Namen nennen, der mir von einem anderen Menschen gegeben wurde. Ich habe kein Recht, mir einen Namen zu wählen.
So betrachtet gibt es kein Namensrecht, sondern eine Namenspflicht. Der Staat verpflichtet uns dazu einen Namen zu tragen, der mit traumatischen Erlebnissen belastet sein kann, die eigene Persönlichkeit nicht berücksichtigt, Schmerzen verursachen kann. Und das alles nur, um die Idee der Dynastie zu erhalten.
Jeder Bürger ist verpflichtet dem abendländichen Ahnenkult zu gehorchen, den Namen seiner Vorfahren zu tragen. Ob ihm das gefällt oder nicht. Die Abstammungslehre der Nazis ist noch immer Teil unserer Gesetze. Eine von diesem Kult abweichende Weltanschauung spielt keine Rolle.

Das liebe Geld

Erst einmal: Ich habe genug.
Ich habe ein Dach über’m Kopf, genug zu essen, fließendes Wasser (sogar warmes), Strom, Internet, jede Menge Kram. Ich lebe ohne Not.
Natürlich habe ich Wünsche, wie jeder andere auch. Doch Wünsche erfüllen vertreibt sie nicht. Wünsche sind wie die Hydra. Für jeden erfüllten Wunsch entstehen zwei neue. Dieses Hamsterrad habe ich verlassen.
Andererseits habe ich seit fünfzehn Jahren keine Ausstellung mehr gemacht. Ich kann es mir nicht leisten. Ausstellungen sind teuer. Man muss Bilder rahmen, transportieren, versichern, die Ausstellung organisieren und bewerben. Dafür habe ich nicht genug Geld.
Schade für euch.