Primitive Rudeltiere

Stolz präsentiert sich der Mensch als Krone der Schöpfung, bewundert seinen technischen Fortschritt und sein Gehirn.
Leider wird dieses Gehirn nicht oder falsch genutzt. Es gibt uns die Möglichkeit uns selbst und unser Verhalten zu betrachten und zu ändern. Diese Nutzungsmöglichkeit wird nur von sehr wenigen Menschen in Anspruch genommen.
Egal ob Bankier oder Bankräuber, Arbeitgeber oder Arbeitnehmer, Herr oder Sklave, Täter oder Opfer, im Verhalten unterscheiden wir uns nicht von primitiven Rudeltieren. Noch immer wird unser Alltag von einer Hackordnung geprägt. Wir definieren uns selbst über die Stellung, die wir in unserem Rudel einnehmen, statt uns nach dem Kern unseres Wesens zu fragen und zur Eigenständigkeit zu gelangen. Status ist wichtiger als Authentizität, es sei denn diese Authentizität dient dazu den eigenen Status zu verbessern.
Krieg, Fremdenfeindlichkeit, Ausbeutung und Umweltzerstörung sind nur einige Folgen dieser Verhaltensmuster. Wir streiten darum, wessen Rudel dominiert, die einzige Wahrheit kennt, prügeln uns um Ressourcen, verkaufen uns an die Anerkennung des Rudels.
Das Gehirn nutzen wir nur, um bessere Strategien, bessere Waffen, eine bessere Selbstdarstellung zu erfinden.
Arme Menschheit.

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BGE

Ja, es wird sie geben. Die notorischen Gammler und arbeitsscheuen Gesellen, die ein bedingungsloses Grundeinkommen dazu nutzen werden faul in der Sonne zu liegen. Warum auch nicht. Die christliche Arbeitsmoral gilt nur für Christen.
Doch es werden viel weniger Menschen sein, die auf Arbeit und zusätzliches Einkommen verzichten, als die Schwarzmaler prophezeien. Diese ewig gestrigen Miesepeter vergessen bei ihrer Argumentation eine wichtige Charaktereigenschaft des Menschen: die Gier. Wer mehr als das tägliche Brot will muss sich ein zusätzliches Einkommen erwirtschaften und Arbeit ist für viele der einfachste Weg zu Geld zu kommen.
Auch die Befürchtung, dass für viele schlecht bezahlte, langweilige, schmutzige und unangenehme Arbeiten niemand mehr bereit sein wird hat keinerlei Berechtigung. Im Gegenteil.
Heute wird den Unterbezahlten die Anerkennung für ihre Leistung genommen, wenn sie zusätzlich staatliche Hilfe in Anspruch nehmen müssen. Ihr Lohn wird als Einkommen verrechnet und nur ein winziger Teil davon fließt als Mehrbedarf in die eigene Kasse.
Bei der Umkehrung dieses Prinzips, wenn Lohn immer Zusatzeinkommen ist, werden sogar mehr Menschen bereit sein ein paar Stunden lang Gullis zu putzen. Sie werden vielleicht keine vierzig Stunden in der Woche arbeiten wollen, doch die Arbeit wird gemacht werden. Der Arbeitsmarkt wird sich verändern, aber nicht zusammenbrechen.
Das häufigste Gegenargument ist die scheinbar unbezahlbare Finanzierung eines bedingungslosen Grundeinkommens. Auch das ist nur ein Scheinargument. Das Bruttosozialprodukt ist mehr als ausreichend für diese grundlegende Änderung der Sozialpolitik. Ob ein bedingungsloses Grundeinkommen so viel mehr kostet, als die gegenwärtigen Summen im Haushalt von Bund, Ländern und Gemeinden ist sowieso fragwürdig. Immerhin spart der Staat große Summen bei den Personalkosten, weil nicht mehr unterschiedliche Behörden prüfen, rechnen und drangsalieren müssen.
Im Prinzip kann man die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens als große Steuerreform betrachten und wenn der Staat dann Arbeit unabhängig davon ob ein Mensch oder eine Maschine sie macht besteuert, dürfte sie sich auch für die Finanzämter lohnen.
Was abseits dieser wirtschaftspolitischen Überlegungen vor allem für ein bedingungsloses Grundeinkommen spricht, kann man am dem Beitrag zugeordneten Bild erkennen. Ohne die mir monatlich gezahlte Grundsicherung wäre dieses Werk nicht entstanden. Ob es einen kapitalistischen oder künstlerischen Wert hat ist nebensächlich. Es gibt Menschen, die sich daran erfreuen und das ist mehr, als man von den Maßnahmen des Staates sagen kann.
Leider wird die deutsche Sklavenhaltermentalität die dringend notwendige Reform der Sozialgesetze noch lange blockieren. Schade für all jene, die sich keine Arbeitsunfähigkeit erstreiten können.

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Biorythmus

Ich lebe in ständigem Wandel, jeder Tag ist anders. Es gibt Tage der Worte und Tage der Musik, Tage der Pixel und Tage der Schere, Tage der Aktivität und Tage der Gammelei. Es gibt keinen Plan für diese Wandlungen, keinen äußeren Anlass. Alles geschieht einfach.
Für mich waren diese Phasen immer schwierig mit den Anforderungen der Arbeitswelt in Einklang zu bringen. Wie soll ich kochen, wenn meine Seele malen will?
Es ist mir bis heute unverständlich, wie andere Menschen dem Stumpfsinn von Uhr und Kalender gehorchen können. Sind die so viel anders als ich? Haben die weniger intensive inneren Phasen?
Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass ich nicht so wie sie funktioniere. Ich folge meinem eigenen Rythmus.
Die Gesellschaft, ihre Bürokratie, ihre Gutachter halten das für krankhaft. Sie haben mich aussortiert. Glück gehabt. Es ist schön nicht mehr arbeiten zu müssen. Jetzt kann ich malen, wann ich will. Oder schreiben, spielen, gammeln, kochen, musizieren.
Mein Leben ist schön.

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Entmündigung

Manchmal denke ich, dass man neunzig Prozent der Bevölkerung entmündigen sollte. Und merke dann, wie dumm dieser Gedanke ist. Das Problem ist ja, dass so viele Menschen unmündig sind. Sie kaufen, was die Werbung ihnen präsentiert, verhalten sich so, wie es die Schauspieler ihrer Lieblingsserie ihnen vormachen, sagen was in ihrem sozialen Umfeld gut ankommt.
Man kann diese Menschen Mitläufer nennen oder als hirnlose Schafe beschimpfen, es ändert nichts. Das Problem lässt sich so nicht lösen. Es steckt ja keine Absicht hinter diesem Verhalten, kein böser Wille. Die Ursache für dieses unmündige Verhalten ist einfach nur Angst. Angst vor Ablehnung, Angst vor Ausgrenzung, Angst vor dem Alleinsein.
Diese Angst hat eine Ursache.
Schon als Kind lernen wir, dass abweichende Meinungen mit Missachtung bestraft werden. In der Schule führen sie zu schlechten Noten, im Arbeitsalltag zu höhnischen Bemerkungen. Eigene Gedanken zu äußern führt zu Diskriminierung. Die meisten Menschen lernen schnell, eigene Gedanken für sich zu behalten, ihrem sozialen Umfeld nach dem Mund zu reden und sich nur noch in erlaubten Gedankenwelten zu bewegen. Der Eigensinn verschwindet.
Wäre ich ein Verschwörungstheoretiker, würde ich jetzt auf die Illuminaten schimpfen. Doch ich glaube nicht an die große Weltverschwörung der Gedankenkontrolleure. Es gibt dafür zu viele unterschiedliche akzeptierte Denkmodelle. Die Gedankenwelten der Religionen widersprechen und bekämpfen sich, Kapitalisten und Sozialisten haben unterschiedliche Weltbilder. Jede dieser Philosophien hat ihre Vorbeter und Nachplapperer. Die eine alles beherrschende Meinung gibt es nicht.
Es gibt keine böse Macht, die uns zur Unmündigkeit erzieht.
Es gibt nur die Angst.
Die Angst des Kindes nicht geliebt zu werden. Die Angst der Eltern wegen den Gedanken ihres Kindes schräg angesehen zu werden. Die Angst des Erwachsenen sich zu irren, das Falsche zu sagen, ausgelacht zu werden.
Diese Angst hält uns in der Unmündigkeit.
Wer zum mündigen Bürger werden will muss diese Angst überwinden. Je mehr Menschen das gelingt, um so größer wird die Chance die Unmündigkeit der Menschheit zu beenden und eine neue Stufe der Evolution zu erreichen.

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Justizirrtum

Im Rahmen der Zuwanderungsdebatte wird zur Zeit in den Medien heftig über höhere Strafen für Kriminelle diskutiert. Dass unsere auf Resozialisierung ausgerichteten Strafen wegen dem Mangel an Sozialarbeitern nicht funktionieren, ist schon lange sichtbar. Hauptberufliche Verbrecher haben schon vor vierzig Jahren über die Urteile der Richter gelacht. Die abschreckende Wirkung der deutschen Justiz ist bei notorisch Kriminellen kleiner als Null, die Haftbedingungen sind für viele eine Wellnessoase. Zuwanderer aus muslimischen Ländern halten unsere Justiz für einen Witz.
Doch sollen wir jetzt die Scharia einführen? Oder das amerikanische System? Das funktioniert auch nicht, wie die überfüllten Knäste in den USA deutlich zeigen. Der Rachegedanke verhindert keine Kriminalität und drastische Strafen verursachen hohe Kosten, ohne den Schutz der Bevölkerung zu erhöhen.
Was tun?
Der beste Weg Kriminalität zu reduzieren wäre die Beseitigung der Ursachen. Das Versprechen vom grenzenlosen Konsum durch die Werbewirtschaft gehört zu den Hauptursachen für Eigentumsdelikte. Wer täglich mit tausend Kaufbotschaften überschüttet wird und wegen mangelndem Einkommen nicht am Kaufrausch teilnehmen kann, sucht nach Wegen sich auch ein Stück vom Kuchen abzuschneiden.
Unsere gesellschaftlichen Normen sind der Grund für die meisten kriminellen Handlungen. Wo Haben statt Sein Grundlage der Anerkennung ist, bleibt vielen nur der Weg in die Kriminalität, um sich diese Anerkennung durch sein soziales Umfeld zu sichern. Dass Reichtum nicht glücklich macht, weiß nur die Minderheit der Reichen.
Der Rest der Gesellschaft rennt diesem Glücksversprechen hinterher und greift dabei auch zu illegalen Methoden. Manche mit der immer noch als Kavaliersdelikt betrachteten Schwarzarbeit, andere mit Einbrüchen, Raubüberfällen, Menschenhandel oder dem Verkauf illegaler Drogen. Der Grund ist bei allen der Gleiche, sie wollen nicht zur diskriminierten Gesellschaftsschicht der Armen gehören.
Es gibt andere Ursachen für Kriminalität. Krankhafte Eifersucht, Sadismus oder religiöser Wahn lässt sich nicht mit einem anderen Wertesystem der Gesellschaft bekämpfen. Doch die meisten Verbrechen haben ihre Wurzeln in diesem Wertesystem, dass Menschen nach ihrem Besitz beurteilt. Wer Kriminalität nachhaltig bekämpfen will, muss dieses Wertesystem ändern. Höhere Strafen sind dazu nicht geeignet. Es ist ein Irrtum zu glauben, dass die Justiz Verbrechen verhindern kann.

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Führerkult

Nun ist er also „gewählt“, der neue Königsersatz.
Wie jedes mal frage ich mich, wozu man so einen Bundespräsidenten braucht. Oder einen Bundeskanzler. Um Gesetze zu beschliessen, benötigt man beide nicht. Das ist Aufgabe des Parlaments.
Wozu brauchen wir diese Galeonsfiguren?
Ich denke, es liegt hauptsächlich daran, dass die Mehrheit der Bevölkerung aus primitiven Rudeltieren besteht, die einen Leithammel brauchen. Der Führerkult hat zwar einen anderen Namen, ist aber noch immer da. Egal, ob man für oder gegen die Person ist, sie dient als Brennpunkt. Man kann dem Führer folgen oder ihn bekämpfen, Hauptsache man hat einen. Wobei auch jene, die den offiziellen Führer bekämpfen, sich wieder hinter einem Führer versammeln.
Für mich wird diese Geisteshaltung immer unverständlich bleiben. Ich bin kein Rudeltier und folge keinem Führer.

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Glasmensch

Wir werden alle überwacht. Nicht nur von Geheimdiensten. Firmen durchsuchen bei Bewerbungen das Internet nach unseren Spuren, Versicherungen nutzen Algorithmen bei der Kalkulation unserer Beitragssätze. Bald wird man ohne positive Bewertung unserer digitalen Persönlichkeit keinen Kredit mehr bekommen.
Und das ist erst der Anfang.
In nicht allzu ferner Zukunft werden wir von unserer Datenbrille zu jedem Gesicht eine Vielzahl an Informationen zu dem Menschen bekommen, dem wir gerade auf der Straße begegnen. Die Technik ist schon da, die Diskussion noch nicht.
Für viele Menschen ist das Szenario des gläsernen Bürgers eine Horrorvorstellung. Wir haben gelernt uns zu verstecken, in der Öffentlichkeit Masken zu tragen, uns selbst in die Zelle des Privaten zu sperren. Plötzlich nackt mit all unseren Macken und Vorlieben für jeden sichtbar zu sein, macht uns Angst. Angst vor Diskriminierung und Ausgrenzung.
Leider nicht grundlos.
Schon als Kind lernen wir, dass wir nur akzeptiert und geliebt werden, wenn wir uns bestimmten Vorgaben entsprechend verhalten. Wer nicht brav ist, wird bestraft. Wir lernen uns zu verstecken.
Was geschieht, wenn wir uns nicht mehr verstecken können?
Nichts wird die Gesellschaft stärker verändern, als der gläserne Bürger. Noch wird diese Idee mit Orwell und Stasi in Verbindung gebracht. Doch was geschieht, wenn nicht nur der Staat, sondern jeder alles über jeden wissen kann, ist schwer einzuschätzen.
Vielleicht passiert das Gegenteil von dem, was wir befürchten. Vielleicht wird die Gesellschaft offener. Wenn jeder alles von jedem weiß, muss sich niemand mehr mehr verstecken. Außer den Kinderfickern, Menschenhändlern, Frauenmördern, Kriegsverbrechern. Die werden, einmal enttarnt, ein Leben lang mit dem Kainsmal herumlaufen müssen. Vielleicht verhindert das solche Taten.
Ich kann nicht in die Zukunft sehen.
Doch ich will die Vision des gläsernen Bürgers nicht verdammen, bevor ich sie gesehen habe. Vielleicht wird alles ganz anders, als wir befürchten.

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Gedankenspiele

Ich bin ein Linker, ein Anarchist und Kommunist, ein Idealist, der von einer gerechteren Welt ohne Zäune und Grenzen träumt.
Ich habe gelernt so zu denken. Vielleicht, weil ich keine Heimat hatte, keinen einen Ort der Kindheit, keine Gemeinde. Ich war schon als Kind überall ein Fremder.
Ich denke linke Gedanken. Das ist der Brunnen, aus dem ich schöpfe. Doch er ist nicht die einzige Gedankenquelle, nicht die einzige Art zu denken. Jeder hat seinen eigenen Brunnen, auch wenn viele davon sich ähnlich sehen. Jedes Gehirn erschafft sich eine eigene Quelle, einen eigenen Quellcode, aus dem die Gedanken entstehen.
Ich denke, also bin ich. Doch ich bin nicht, was ich denke.
Meine Gedanken haben ein Bild von mir geformt. Aus dem Spiegel schaut mich ein anderes Gesicht an. Auch für meine Gedanken bin ich ein Fremder. Ich bin kein Linker, kein Anarchist und Kommunist. Ich bin nur ein Mensch, der linke Gedanken denkt. Bin ich ein besserer Mensch, als jener, der an Heimat denkt, an Familie, Geborgenheit, Eigenheim und Gartenzaun?
Ich bin ein Mensch. So wie du. Wir denken unterschiedliche Gedanken. Wir streiten darum, wer Recht hat. Wir sind uns fremd, doch nur in Gedanken. Wenn wir beide schweigen, sehe ich nur einen Menschen. So wie im Spiegel.

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Ist der Humanismus am Ende?

Auch wenn Europa weit davon entfernt ist humanistisch zu sein, Kapitalismus und Humanismus vertragen sich nicht, ist die Idee einer humanistischen Gesellschaft doch eine Grundsäule unseres Zusammenlebens. Doch immer mehr Menschen wenden sich von dieser Idee ab und radikalen Positionen zu.
Ist der Humanismus gescheitert?
Religionsfreiheit ist eine der Grundlagen des Humanismus. Jahrhunderte voller Religionskriege haben uns gelehrt, dass man Andersgläubige nicht mit Feuer und Schwert zum eigenen Dogma bekehren kann. Leider scheint diese Lehre bei vielen Menschen nicht angekommen zu sein und von öffentlicher Propaganda angeheizt beginnt wieder einmal der Kampf der Religionen.
„Multikulti ist gescheitert.“ steht auf den Plakaten, die fremdenfeindliche Wutbürger auf ihren Demonstrationszügen in die Kameras halten. Doch nicht fremde Kulturen sind ihr Ziel. Sie wollen nicht Mc Donalds oder Dönerbuden aus dem Stadtbild entfernen, sondern Kopftücher und Moscheen. Der Kreuzzug richtet sich noch immer gegen die Muslime.
Dass viele Muslime sich nicht zu den humanistischen Werten Europas bekennen, gehört zwar zu den Ursachen des sich verschärfenden Konflikts. Doch kann man von ihnen fordern, was man den Katholiken nicht zumuten will? Auch die weigern sich noch immer die Gleichberechtigung von Mann und Frau in die Praxis ihrer Religionsausübung zu integrieren.
Man kann Humanismus nicht befehlen und auch religiöser Wahn lässt sich nicht durch ein Gesetz aus der Welt schaffen. Nicht einmal Lenin und Stalin haben es geschafft die Religion abzuschaffen. Glauben lässt sich nicht verbieten.
Nun werden die uralten Konflikte zwischen den jüdischen Sekten, zu denen man auch Christentum und Islam zählen kann, wieder einmal für politische Ziele genutzt. Opfer sind nicht nur zahlreiche Menschen, die zwischen den Fronten einen gewaltsamen Tod finden, sondern auch die Idee der offenen Gesellschaft.
Wird der Humanismus diesen Konflikt überleben?

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Kommunismus

Oh weh, jetzt steht es da, das böse Wort.
„Dann geh doch nach drüben.“ hat man mir in meiner Jugend immer wieder an den Kopf geworfen. Das Argument, dass es auch drüben keinen Kommunismus gibt, traf dann auf taube Ohren.
Drüben ist nur für den schlechten Ruf des Wortes verantwortlich, aber kein Beispiel dafür, wie eine kommunistisch strukturierte Gesellschaft aussehen kann. Auch drüben gehörten die Fabriken nicht den Arbeitern, sondern irgendwelchen Bonzen. Und nach dem Zusammenbruch des real existierenden Sozialismus steht nun auch der Kapitalismus vor dem Ende.
Egal welches Etikett ein Wirtschaftssystem bisher auch getragen hat, alle basierten auf dem Prinzip der Ausbeutung. Ob Sklave, Leibeigener oder Arbeiter, immer gab es jemand, der seinen Wohlstand durch die Arbeit anderer erreichte. Ob dieser Ausbeuter sich König oder Kaufmann, Aktionär oder Funktionär nennt, macht keinen großen Unterschied. Andere für sich arbeiten zu lassen ist, seitdem der erste Häuptling sich auf einen Thron setzte, das große Übel der Menschheit.
Was meine ich, wenn ich von Kommunismus schreibe?
Meine Vision einer gerechteren Gesellschaft beginnt an der Basis, nicht bei der Politik. Sie beginnt bei den Menschen, die ein Recht darauf haben die Früchte ihrer Arbeit selbst zu ernten. Die Basis des Kommunismus kann nur die Kommune sein.
Ob eine Kommune aus zwei, zehn oder hundert Menschen besteht, welche Kultur sie zelebriert, welche Weltanschauung sie vertritt, ist nur für sie selbst wichtig. Die kleine Kneipe kann zwei Menschen ernähren, die Bäckerei ein Dutzend, die Manufaktur viele. Eine Künstlerkommune wird eine andere Weltsicht haben, als die Stahlgießerei. Doch gerade die Vielzahl unterschiedlicher Lebensweisen und Vorstellungen gibt jungen Menschen eine echte Wahl für die eigene Zukunft.
Auch Kommunen müssen sich am Markt behaupten. Schlechte Qualität zu überhöhten Preisen zu produzieren funktioniert zwar im Kapitalismus, wird aber ohne die Marktmacht dominanter Konzerne nicht zum Erfolg führen. Kommunismus befreit nicht von wirtschaftlichen Zwängen.
Auch wenn alle Güter und Dienstleistungen durch Kommunen bereitgestellt werden, wird es arm und reich geben. Das ist nicht nur aber auch eine Frage der eigenen Ansprüche. Es wird Kommunen geben, die nach Wohlstand streben, Sekt und Kaviar zum Frühstück tafeln und dafür hart und viel arbeiten wollen. Und es wird Kommunen geben, die wenig arbeiten und viel Zeit mit Spiel und Tanz verbringen wollen. Beide können nebeneinander existieren. Nur wenn es beide gibt, haben die Menschen eine Wahl, wie sie leben wollen.
Es wird Kommunen geben, die nicht wirtschaftlich sind und bankrott gehen und andere, die aufgrund menschlicher Differenzen zerbrechen. Auch in einer kommunistischen Gesellschaft wird es Menschen geben, die nirgendwo hineinpassen, keinen Platz in einer Kommune finden. Das können Behinderte oder Kranke sein. Pechvögel oder Wandervögel. Notorische Eigenbrötler.
Auch für diese Menschen muss eine kommunistische Gesellschaft einen Platz und das tägliche Brot bereitstellen. Eine bessere Gesellschaft bringt nicht automatisch bessere Menschen hervor, aber auch „schlechte“ Menschen haben ein Recht auf ein Leben in Würde.
Deshalb braucht die Menschheit Regierungen. Anarchie ist eine schöne Idee, doch sie funktioniert nicht. Die Menschen brauchen Regeln, um friedlich nebeneinander ihre eigene Weltanschauung leben zu können. Ohne Gesetze und ihre Überwachung gilt nur das Recht des Stärkeren. Und um ihre Aufgaben erfüllen zu können braucht eine Regierung Geld. Auch Kommunisten müssen Steuern zahlen.
Was nicht gebraucht wird, ist ein Ersatzkönig. Oder der Berufspolitiker, der mehr seine eigenen Interessen im Sinn hat, als die derjenigen, für die er regiert. Ein Parlament aus Abgeordneten der Kommunen als Gemeinderat, der einen Abgeordneten in die übergeordnete Verwaltungseinheit schickt, eine Räterepublik, die gemeinsam Lösungen für Probleme der Infrastruktur, der Sicherheit aller Menschen, der Gesundheitsfürsorge entwickelt, ist deutlich besser geeignet diese Aufgabe zu übernehmen, als eine von zwei Parteien, die als Scheindemokratie nur den eigenen Machterhalt im Sinn hat.
Viele und doch zu wenige Gedanken zu einem komplexen Thema. Ich behaupte nicht den Stein der Weisen gefunden zu haben. Meine Ideen zum Kommunismus malen keine heile Welt. Die heilen Welten sind alle gescheitert, weil sie die menschliche Natur ignorierten. Der Mensch wird nicht von Vernunft geleitet, sondern von Bedürfnissen und Ängsten getrieben. Daran wird keine Idee etwas ändern. Auch meine nicht. Aber vielleicht helfen meine Gedanken dabei, eine etwas gerechtere Gesellschaft zu entwickeln.

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