Bürger

Bürger fressen Tütensuppen.
Bürger finden Models schön.
Bürger ficken Plastikpuppen
und sie gehen gern in Gruppen
wenn sie in die Kirche geh’ n.
Bürger haben Schwiegermütter,
Drachenkämpfer sind sie nicht.
Bürger spielen edle Ritter,
sperren Menschen hinter Gitter.
Bürger lieben ihre Pflicht.
Bürger glauben ihren Pfaffen,
machen was der Führer will.
Bürger sind wie Menschenaffen,
wenn sie auf nackte Möpse gaffen
steht ihr Hirn endgültig still.
Bürger tragen Bügelfalten,
manche Bürger im Gesicht.
Bürger lassen sich verwalten
und sie wollen Recht behalten,
nur für sich. Für andre nicht.

Ausflug

Sonnenlicht perforiert den Wald,
an manchen Stellen steht knorrig alt
ein uralter Baum in grünem Tüll.
An einer Bank vergammelt Müll.
Im Unterholz äst scheu ein Reh,
aus einem Bach entsteht ein See,
umsäumt von grünen Küsten.
Ein Kahn entlädt Touristen.
Der Tag verliert sich in die Nacht,
ein Uhu schreit kurz und erwacht.
Die Grillen zirpen leis im Grase,
ein Gast entlädt die volle Blase.
Ein neuer Tag wird ihn ersetzen,
mit taugenetzten Spinnennetzen
sich weiter drehen in seinen Kreisen.
Touristen werden weiterreisen.

Mitternachtsschlosser

Es hat sich kurz vor Mitternacht
ein Dieb zum Raubzug aufgemacht
und schleicht durch dunkle Gassen.
Bevor die Morgensonne lacht
hat er die Beute heim gebracht.
Er ist nicht leicht zu fassen.
Am Tatort hat die Polizei
zu wenig an Verstand dabei
und findet keine Spuren.
Dem Dieb ist das ganz einerlei,
er brät sich noch ein Spiegelei
und plant dann neue Touren.
Und die Moral von der Geschicht:
Einbrecher scheuen zwar das Licht,
doch sind sie ziemlich helle.
Denn übt ein Dieb Gehirnverzicht,
wenn er in fremde Häuser bricht,
steckt er in einer Zelle.

Politiker

Er beginnt mit hohen Zielen,
will fast alles besser machen,
lernt dafür mit Worten spielen
und in jede Linse lachen.
Damit er nun auch wählbar sei
wird er Mitglied der Partei.
Unter vielen Gleichgesinnten
muss er als Parteisoldat
nun noch gute Freunde finden,
bis er eine Mehrheit hat.
Dann ist ist er schon bald dabei
als Kandidat für die Partei.
Karriere will er nun beginnen
und ins Kabinett gelangen.
Wahlen muss er nun gewinnen
und um jede Stimme bangen.
Der Rest ist ihm nun einerlei,
jetzt zählt nur noch die Partei.

Zu viel

Zu viel Wissen, zu viel denken,
zu viel Macht das Volk zu lenken.
Zu viel Dogmen, zu viel Glauben,
viel zu viele lock’re Schrauben.
Zu viel Gier und zu viel Neid,
zu viel Armut, zu viel Leid.
Zu viel Ruhm und zu viel Ehre,
Masken für die inn’re Leere.
Zu viel Last und zu viel Bürde,
zu viel Amt, zu wenig Würde.
Zu viel Krieg, zu viele Waffen,
zu viel Arbeit statt zu schaffen.
Zu viel Geld, zu viele Sachen,
doch zu wenig Grund zu lachen.
Zu viel Uhren, zu viel Eile

und dazwischen Langeweile.
Zu viel Kaffee, zu viel Torte,
zu viel: freundlich leere Worte.
Zu viel Bier, zu viele Drogen,
viel zu oft sich selbst belogen.
Zu viel Essen, zu viel trinken,
zu viele, die nach Deo stinken.
Überall zu viele Leute,
jeder sucht nach frischer Beute.
Zu viel Herren, zu viel Damen,
zwischen ihnen zu viel Dramen.
Zu viel Lust, zu wenig Liebe,
nur noch ausgelutschte Triebe.
Zu viel Frust, zu viele Klagen,
zu viel Sätze, die nichts sagen.
Viel zu viel, um es zu lesen,
weniger wär‘ mehr gewesen.

Ehre

Ich bin ehrlos aber ehrlich,
eure Ehre stinkt nach Lügen.
Ehre soll nur euch und mich
um das Menschenrecht betrügen.
Ehrbar schlachten edle Ritter
Heiden, Ketzer, Hexenmeister.
Ehre schmeckt für manchen bitter,
süß nur für die kleinen Geister.
Ehrbar sind die eitlen Pfaffen,
wenn sie nicht mit Knaben spielen,
eifrig Land und Güter raffen.
Ehre dient den falschen Zielen.
Ehrbar trägt der Mann Krawatten,
falsche Zähne, falsches Lachen,
warnt vor neuen Attentaten.
Wer wird wohl die Planung machen?
Ehrbar treiben Nazihenker
alles Fremde in den Tod.
Ehre ist kein Wort für Denker,
Ehre schmeckt für mich nach Kot.

Fortschritt

Vitamine ohne Früchte fressen
und Meilen ohne Füße rennen.
Die eigne Schöpferkraft vergessen,
um am Arbeitsplatz zu pennen.
Jeden Tag ein Spielzeug kaufen
statt mit Anderen zu spielen
und sich ins Delirium saufen,
um die Leere nicht zu fühlen.
In pervertiertem Balzverhalten,
parfümiert in Kunstgestank
sich für den Discoking zu halten.
Pack den Tiger in den Tank.
Endlos könnt ich weiter zählen,
wie der Fortschritt uns verzehrt,
mich mit diesem Irrsinn quälen,
den das dumme Hirn begehrt.
Fortschritt ist ein Massenwahn,
begeistert jene allzu Dummen
die sterben auf der Autobahn.
Für die Toten gibt es Blumen.

Geruchsneurose

Die Welt versinkt in Deospray,
das Volk mag sich nicht riechen,
weil hinter ja, jawohl, o.k.
die Feigen sich verkriechen.

Wer stets ja sagend feige lebt
will gern vor Scham versinken.
Wer nur am Arsch von Bossen klebt
muss auch beschissen stinken.

Wer aufrecht sich zum Himmel reckt
darf nach sich selbst noch duften.
Nur wer als Sklave sich versteckt
muss stinken und auch schuften.

In Deospray versinkt die Welt,
die Feigheit ist hier Bürgerpflicht.
Mit Deospray verdient man Geld.
Mit Schweiß leider nicht.

Frühlingsanfang

Der Frühling steht heut im Kalender,
die Sonne dient als Wärmespender
und ich könnte Vögel hören
würde nicht der Baulärm stören.

Die Nachbarn betonieren Garten.
Es stören wohl die Pflanzenarten,
die umsonst zur Sonne streben
und dem Alltag Farbe geben.

Grau muss Bürgeralltag bleiben.
Die Natur muss man vertreiben,
damit sie Mensch nicht glücklich macht.
Wie schön das heut’ die Sonne lacht.

Morgen

Morgen soll es besser werden,
heute ist es schon zu spät.
Heute schlagen noch die Gerten
uns zur Universität.

Morgen darfst auch du regieren,
lerne heute dich zu ducken.
Heute musst du dich genieren,
morgen auf die Sklaven spucken.

Morgen ist das Arschloch groß,
das heute andre Ärsche leckt.
Morgen ist das Arschloch Boss
und die ganze Welt verreckt.