Limericks

Es lies sich ein Pfaffe in Hagen
gern die Einkäufe tragen
von jungen Knaben
mit guten Gaben,
die nichts ihren Eltern sagen.

Ein Haschischdealer aus Düren
wollte ein Mädel verführen,
doch kam er nicht raus
aus diesem Haus
mit den verschlossenen Türen.

Eine Organspenderin aus Bremen
musste ihr Herz in die Hand nehmen,
als sie erfuhr,
ihre innere Uhr
tickt wie die Uhren im Jemen.

Ein Profifussballer aus Litauen
hatte zu wenig Selbstvertrauen
vor dem Tor.
Kurz davor
lies er sich immer den Ball klauen.

Ein Engel im Garten Eden
konnte nicht anständig beten.
Ihn trieb die Lust
eine weibliche Brust
mit seinen Händen zu kneten.

Ein Sammler von Seidenkrawatten
wollte ein hübsches Mädchen begatten
im Nachbarort.
Er kam nicht fort,
sein Auto hatte nen Platten.

Es liebt ein Genosse in Wattenscheid
Nacktheit unterm Sommerkleid,
am liebsten im Gedränge,
weil dann sein Gehänge
nicht nach mehr Berührung schreit.

In Marburg wurde ein Linker
zum emsigen Cognactrinker.
Um den zu bezahlen
fälschte er Wahlen.
Nun nennen ihn alle den Zinker.

In Chemnitz war ein Rechter
ein ganz schlechter Fechter.
Darum warf man ihn raus
aus dem Burschenschaftshaus.
Die Welt wird immer gerechter.

Ein Minister der Finanzen
war im Großen und Ganzen
privat insolvent.
Er hatte verpennt
sich Aufträge zu zuschanzen.

Es wollte ein Schüler in Plauen
seinen Mathelehrer verhauen.
Doch, oh wie schade,
der konnte Karate.
Jetzt kann er nur einseitig schauen.

Ein reiches Mädchen vom Lande
hörte nicht auf die Gouvernante
und spielte mit Buben
in düsteren Stuben.
Jetzt reden alle von Schande.

Ein Gartenzwerg aus Witten
wollte ein Paar eigene Titten.
Er sprang voller Pein
auf einen Stein
und war nicht mehr zu kitten.

Von bayrischen Rindviehzüchtern
ist nur jeder vierte nüchtern
beim Besamungsverfahren,
denn Urbajuwaren
sind nüchtern sehr schüchtern.

Ein Programmierer aus Minden
wollte zwei Codes verbinden.
Doch es verschwand
was er verband.
Jetzt kann er die Codes nicht mehr finden.

Ein Homöopath aus Schnitte
kam zum Arzt mit der Bitte
ihn zu kurieren
von Computerviren
und bekam drei kräftige Tritte.

Ein Staatsbeamter aus Theben
will ein Abenteuer erleben,
fährt zum Vulkan
und rüttelt daran,
doch der will einfach nicht beben.

Ein Architekt aus Mittelhessen
hat sich bei einem Plan vermessen.
Das Haus ist zwei Meter breit
und kommt Besuch von Zeit zu Zeit
muss der im Garten essen.

Es hatte ein Koch in Biedenkopf
nur noch sein geiles Weib im Kopf
und lies den Reis anbrennen.
Man musste sich von ihm trennen
und auch von dem verbrannten Topf.

Ein Clown aus Katzenellenbogen
hat die Clownsnase ausgezogen
vor Publikum.
Das war dumm.
Er ist aus seinem Job geflogen.

Mit dem Auto zum Unverpacktladen,
auf dem Urlaubsflug Seitanbraten,
online bestellt.
Wir retten die Welt
mit unseren guten Taten.

Im Land der Dichter und Denker
treiben politische Lenker
Menschenmassen
in Ladenstraßen.
Sie brauchen nicht mal einen Henker.

Nur ein Teil dieser kurzen Gedichte entspricht den strengen Vorgaben des klassischen Limericks. Doch ich wollte keine Literatur verfassen, sondern Unfug in fünf Zeilen schreiben. Ich hoffe ihr habt Spaß damit.

Glück

Glück lässt sich nicht messen,
man fühlt es oder nicht.
Oft reicht genug zu essen,
manchmal der Sonne Licht.
Glück lässt sich nicht fangen,
es kommt und geht vorbei
und alles hoffen, bangen
bringt es doch nicht herbei.
Glück lässt sich nicht halten,
es ist nur kurz zu Gast.
Es wechselt die Gestalten
und kommt ganz ohne Hast.
Glück lässt sich nicht erzwingen,
es kommt von ganz allein.
Glück hängt an keinen Dingen
und nicht an einem Schein.
Ich habe Glück gefunden
an diesem schönen Tag,
genieße schöne Stunden
so lang das Glück mich mag.

DADA für Sprachakrobaten

Wenn Schabrackennacken zwacken
muss man Schlackenzacken backen
und in Jackenmacken packen.

Will man Reckensteckenecken
in die Beckendecken stecken
wird man Heckenzecken wecken.

Wo die schicken Dicken spicken
und mit Wickenstricken sticken
kann man Flickenficken knicken.

Sind die Roggenflocken trocken
wo die Sockenbrocken locken
müssen Pockenglocken rocken.

Muss man Gluckenjucken schlucken
und aus schmucken Stucken spucken
hilft nur gucken, zucken, ducken.

Lieblos

Ohne Liebe lebt man besser,
Liebe führt doch nur zu Leid.
Leg‘ die Liebe unter‘s Messer,
mach sie zu Vergangenheit.

Liebe schadet der Karriere,
lieblos scheffelt jeder Geld.
Liebe führt in die Misere,
weil sie uns im Zaume hält.

Ohne Liebe wächst der Willen
nach dem höchsten Amt zu streben.
Ohne Liebe baut man Villen,
muss nie mehr in Hütten leben.

Ohne Liebe fährt man schneller
und telefoniert auch noch dabei.
Ohne Liebe wird Lust greller,
rein und raus und schnell vorbei.

Lieblos ist die Welt geworden,
es regieren Geiz und Gier.
Für die Sieger gibt es Orden,
die Verlierer saufen Bier.

Willst auch du dazu gehören,
musst du nur dein Herz veröden.
Mich kann man so nicht betören,
lieblos leben nur die Blöden.

Leichenzeichen

Wenn die bleichen Leichen
zu den Deichen schleichen
müssen Eichen weichen.
Doch die Reichen streichen
mit sehr bleichen Scheichen
auf die Eichen Zeichen
die den Leichen gleichen.
Prangen Eichenzeichen
auf sehr weichen Deichen
sind die bleichen Reichen
bei den Scheichenleichen
zu erreichen.

Vorfahrt

Vorfahrt ist für die Maschinen
Zeichen ihrer Dominanz.
Egal ob Straßen oder Schienen,
Vorfahrt regelt ihren Tanz.

Ampeln oder Vorfahrtsschilder,
Andreaskreuz und Kreisverkehr,
ohne wären die Maschinen wilder
und die Straßen menschenleer.

Die Maschinen dürfen rollen,
weil die Mehrheit es so will.
Ihnen muss man Achtung zollen,
Gegenstimmen macht man still.

Menschen müssen lange warten,
weil Maschinen Vorfahrt haben.
Für Maschinen freie Fahrten,
Menschen müssen in den Graben.

Arbeit

Jeden Morgen schreit der Wecker
jagt die Menschen aus den Betten.
Jeder Schuster, jeder Bäcker,
jeder will die Wirtschaft retten.

Von den Bonzen angetrieben
produzieren sie Massenware.
Wären sie zuhaus’ geblieben
gäbe es keine Modezare.

Handwerk heißt von Hand gemacht,
unser Werk tun heut’ Maschinen
keiner weiß mehr, wie man lacht,
jeder will mehr Geld verdienen.

Statt zur Arbeit geh’ zum Schaffen
fröhlich in den Tag hinein.
Lass den Nachbarn neidisch gaffen.
Arbeit macht die Welt gemein.

Arbeitsamt

Wir sitzen brav im Arbeitsamt
und lassen uns verwalten.
Von andren Schafen eingerahmt
verlernten wir gestalten.
Wir lassen gerne uns betrügen
von jenen, die uns dienen sollen.
Wir glauben gerne ihren Lügen,
weil wir uns nicht bewegen wollen.
Wir lassen lieber uns verführen
von kleinen, bunten Flimmerkästen,
statt uns geistig selbst zu rühren.
Wir wollen unsre Bonzen mästen.
Wir wollen nur im Chore blöken,
die Zeit vergeht im Schlafe.
Wir fressen aus Sozialgeldtrögen
und bleiben geistig Schafe.

Eile

Wer rast so spät durch Wind und Nacht
bis an den nächsten Baum?
Wer hat als Sieger sich gedacht
über Zeit und Raum?
Wer will überall der Erste sein
bei Arbeit, Sport und Spiel?
Wer ist als Sieger stets allein,
sieht nicht den Weg und nur das Ziel?
Wer kennt das Wort nicht: Müßiggang,
ist immer nur in Eile?
Wem dauert alles viel zu lang,
wer stirbt vor Langeweile?
Wer ringt vor Stress nur noch nach Luft,
hat keine Zeit zum Schnaufen?
Wer riecht nicht mehr der Blumen Duft
und muss sich Düfte kaufen?
Wir alle rennen durch die Welt.
Wir sind vom Wahn besessen,
dass nur der Schnellste etwas zählt.
Wir haben uns vergessen.