Vorfahrt

Vorfahrt ist für die Maschinen
Zeichen ihrer Dominanz.
Egal ob Straßen oder Schienen,
Vorfahrt regelt ihren Tanz.

Ampeln oder Vorfahrtsschilder,
Andreaskreuz und Kreisverkehr,
ohne wären die Maschinen wilder
und die Straßen menschenleer.

Die Maschinen dürfen rollen,
weil die Mehrheit es so will.
Ihnen muss man Achtung zollen,
Gegenstimmen macht man still.

Menschen müssen lange warten,
weil Maschinen Vorfahrt haben.
Für Maschinen freie Fahrten,
Menschen müssen in den Graben.

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Arbeit

Jeden Morgen schreit der Wecker
jagt die Menschen aus den Betten.
Jeder Schuster, jeder Bäcker,
jeder will die Wirtschaft retten.

Von den Bonzen angetrieben
produzieren sie Massenware.
Wären sie zuhaus’ geblieben
gäbe es keine Modezare.

Handwerk heißt von Hand gemacht,
unser Werk tun heut’ Maschinen
keiner weiß mehr, wie man lacht,
jeder will mehr Geld verdienen.

Statt zur Arbeit geh’ zum Schaffen
fröhlich in den Tag hinein.
Lass den Nachbarn neidisch gaffen.
Arbeit macht die Welt gemein.
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Arbeitsamt

Wir sitzen brav im Arbeitsamt
und lassen uns verwalten.
Von andren Schafen eingerahmt
verlernten wir gestalten.
Wir lassen gerne uns betrügen
von jenen, die uns dienen sollen.
Wir glauben gerne ihren Lügen,
weil wir uns nicht bewegen wollen.
Wir lassen lieber uns verführen
von kleinen, bunten Flimmerkästen,
statt uns geistig selbst zu rühren.
Wir wollen unsre Bonzen mästen.
Wir wollen nur im Chore blöken,
die Zeit vergeht im Schlafe.
Wir fressen aus Sozialgeldtrögen
und bleiben geistig Schafe.
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Eile

Wer rast so spät durch Wind und Nacht
bis an den nächsten Baum?
Wer hat als Sieger sich gedacht
über Zeit und Raum?
Wer will überall der Erste sein
bei Arbeit, Sport und Spiel?
Wer ist als Sieger stets allein,
sieht nicht den Weg und nur das Ziel?
Wer kennt das Wort nicht: Müßiggang,
ist immer nur in Eile?
Wem dauert alles viel zu lang,
wer stirbt vor Langeweile?
Wer ringt vor Stress nur noch nach Luft,
hat keine Zeit zum Schnaufen?
Wer riecht nicht mehr der Blumen Duft
und muss sich Düfte kaufen?
Wir alle rennen durch die Welt.
Wir sind vom Wahn besessen,
dass nur der Schnellste etwas zählt.
Wir haben uns vergessen.
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Urlaub

Eine Stunde Tretboot fahren,
dann zwei Runden Minigolf
und auch nicht beim Essen sparen.
Ich bin hungrig wie ein Wolf.
Nachmittags ins Schwimmbad gehen,
brutzeln, baden und zwei Bier.
Kurz mal nach der Uhrzeit sehen,
Mist, es ist schon fünf vor vier.
Kaffee trinken, zwei Stück Kuchen
ein Likörchen hinterher.
Schnell noch eine Rundfahrt buchen,
sonst gibt’s keine Plätze mehr.
Aufgetakelt auf die Piste,
fröhlich machen Bier und Wein.
Baggern steht nun auf der Liste,
im Urlaub schläft man nicht allein.
Leider hat man nur zwei Wochen,
bald schon ist der Spaß vorbei
und erschöpft bis in die Knochen
ist der Aufbruch schwer wie Blei.
Schnell noch etwas Schönes kaufen,
mit Kredit kann man bezahlen.
Meine Zeit ist abgelaufen.
Mit soviel Urlaub kann man prahlen.
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Fußgängerzone

Herausgeputzt wie eitle Pfauen
doch mit Stumpfsinn im Gesicht,
stolzieren Männer oder Frauen
ohne sich ins Herz zu schauen
unter buntem Neonlicht.
Prächtig glitzern die Fassaden.
Niemand will dahinter sehen,
denn auf ausgetret‘nen Pfaden
darf man in der Menge baden
ohne etwas zu verstehen.
Gefangen in dem Balzverhalten,
das die Werbung programmiert,
können sie nur sich gestalten,
zeigen sie, was sie bezahlten
oder stahlen, ungeniert.
Jeder will sich selbst beweisen,
dass er im Mittelpunkte steht
und alle Andren ihn umkreisen
auf den immer gleichen Gleisen.
Ist es wirklich schon zu spät?
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Bürger

Bürger fressen Tütensuppen.
Bürger finden Models schön.
Bürger ficken Plastikpuppen
und sie gehen gern in Gruppen
wenn sie in die Kirche geh’ n.
Bürger haben Schwiegermütter,
Drachenkämpfer sind sie nicht.
Bürger spielen edle Ritter,
sperren Menschen hinter Gitter.
Bürger lieben ihre Pflicht.
Bürger glauben ihren Pfaffen,
machen was der Führer will.
Bürger sind wie Menschenaffen,
wenn sie auf nackte Möpse gaffen
steht ihr Hirn endgültig still.
Bürger tragen Bügelfalten,
manche Bürger im Gesicht.
Bürger lassen sich verwalten
und sie wollen Recht behalten,
nur für sich. Für andre nicht.
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Ausflug

Sonnenlicht perforiert den Wald,
an manchen Stellen steht knorrig alt
ein uralter Baum in grünem Tüll.
An einer Bank vergammelt Müll.
Im Unterholz äst scheu ein Reh,
aus einem Bach entsteht ein See,
umsäumt von grünen Küsten.
Ein Kahn entlädt Touristen.
Der Tag verliert sich in die Nacht,
ein Uhu schreit kurz und erwacht.
Die Grillen zirpen leis im Grase,
ein Gast entlädt die volle Blase.
Ein neuer Tag wird ihn ersetzen,
mit taugenetzten Spinnennetzen
sich weiter drehen in seinen Kreisen.
Touristen werden weiterreisen.
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Mitternachtsschlosser

Es hat sich kurz vor Mitternacht
ein Dieb zum Raubzug aufgemacht
und schleicht durch dunkle Gassen.
Bevor die Morgensonne lacht
hat er die Beute heim gebracht.
Er ist nicht leicht zu fassen.
Am Tatort hat die Polizei
zu wenig an Verstand dabei
und findet keine Spuren.
Dem Dieb ist das ganz einerlei,
er brät sich noch ein Spiegelei
und plant dann neue Touren.
Und die Moral von der Geschicht:
Einbrecher scheuen zwar das Licht,
doch sind sie ziemlich helle.
Denn übt ein Dieb Gehirnverzicht,
wenn er in fremde Häuser bricht,
steckt er in einer Zelle.
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