DADA für Sprachakrobaten

Wenn Schabrackennacken zwacken
muss man Schlackenzacken backen
und in Jackenmacken packen.

Will man Reckensteckenecken
in die Beckendecken stecken
wird man Heckenzecken wecken.

Wo die schicken Dicken spicken
und mit Wickenstricken sticken
kann man Flickenficken knicken.

Sind die Roggenflocken trocken
wo die Sockenbrocken locken
müssen Pockenglocken rocken.

Muss man Gluckenjucken schlucken
und aus schmucken Stucken spucken
hilft nur gucken, zucken, ducken.

Lieblos

Ohne Liebe lebt man besser,
Liebe führt doch nur zu Leid.
Leg‘ die Liebe unter‘s Messer,
mach sie zu Vergangenheit.

Liebe schadet der Karriere,
lieblos scheffelt jeder Geld.
Liebe führt in die Misere,
weil sie uns im Zaume hält.

Ohne Liebe wächst der Willen
nach dem höchsten Amt zu streben.
Ohne Liebe baut man Villen,
muss nie mehr in Hütten leben.

Ohne Liebe fährt man schneller
und telefoniert auch noch dabei.
Ohne Liebe wird Lust greller,
rein und raus und schnell vorbei.

Lieblos ist die Welt geworden,
es regieren Geiz und Gier.
Für die Sieger gibt es Orden,
die Verlierer saufen Bier.

Willst auch du dazu gehören,
musst du nur dein Herz veröden.
Mich kann man so nicht betören,
ich will lieben und nicht töten.

Leichenzeichen

Wenn die bleichen Leichen
zu den Deichen schleichen
müssen Eichen weichen.
Doch die Reichen streichen
mit sehr bleichen Scheichen
auf die Eichen Zeichen
die den Leichen gleichen.
Prangen Eichenzeichen
auf sehr weichen Deichen
sind die bleichen Reichen
bei den Scheichenleichen
zu erreichen.

Vorfahrt

Vorfahrt ist für die Maschinen
Zeichen ihrer Dominanz.
Egal ob Straßen oder Schienen,
Vorfahrt regelt ihren Tanz.

Ampeln oder Vorfahrtsschilder,
Andreaskreuz und Kreisverkehr,
ohne wären die Maschinen wilder
und die Straßen menschenleer.

Die Maschinen dürfen rollen,
weil die Mehrheit es so will.
Ihnen muss man Achtung zollen,
Gegenstimmen macht man still.

Menschen müssen lange warten,
weil Maschinen Vorfahrt haben.
Für Maschinen freie Fahrten,
Menschen müssen in den Graben.

Arbeit

Jeden Morgen schreit der Wecker
jagt die Menschen aus den Betten.
Jeder Schuster, jeder Bäcker,
jeder will die Wirtschaft retten.

Von den Bonzen angetrieben
produzieren sie Massenware.
Wären sie zuhaus’ geblieben
gäbe es keine Modezare.

Handwerk heißt von Hand gemacht,
unser Werk tun heut’ Maschinen
keiner weiß mehr, wie man lacht,
jeder will mehr Geld verdienen.

Statt zur Arbeit geh’ zum Schaffen
fröhlich in den Tag hinein.
Lass den Nachbarn neidisch gaffen.
Arbeit macht die Welt gemein.

Arbeitsamt

Wir sitzen brav im Arbeitsamt
und lassen uns verwalten.
Von andren Schafen eingerahmt
verlernten wir gestalten.
Wir lassen gerne uns betrügen
von jenen, die uns dienen sollen.
Wir glauben gerne ihren Lügen,
weil wir uns nicht bewegen wollen.
Wir lassen lieber uns verführen
von kleinen, bunten Flimmerkästen,
statt uns geistig selbst zu rühren.
Wir wollen unsre Bonzen mästen.
Wir wollen nur im Chore blöken,
die Zeit vergeht im Schlafe.
Wir fressen aus Sozialgeldtrögen
und bleiben geistig Schafe.

Eile

Wer rast so spät durch Wind und Nacht
bis an den nächsten Baum?
Wer hat als Sieger sich gedacht
über Zeit und Raum?
Wer will überall der Erste sein
bei Arbeit, Sport und Spiel?
Wer ist als Sieger stets allein,
sieht nicht den Weg und nur das Ziel?
Wer kennt das Wort nicht: Müßiggang,
ist immer nur in Eile?
Wem dauert alles viel zu lang,
wer stirbt vor Langeweile?
Wer ringt vor Stress nur noch nach Luft,
hat keine Zeit zum Schnaufen?
Wer riecht nicht mehr der Blumen Duft
und muss sich Düfte kaufen?
Wir alle rennen durch die Welt.
Wir sind vom Wahn besessen,
dass nur der Schnellste etwas zählt.
Wir haben uns vergessen.

Urlaub

Eine Stunde Tretboot fahren,
dann zwei Runden Minigolf
und auch nicht beim Essen sparen.
Ich bin hungrig wie ein Wolf.
Nachmittags ins Schwimmbad gehen,
brutzeln, baden und zwei Bier.
Kurz mal nach der Uhrzeit sehen,
Mist, es ist schon fünf vor vier.
Kaffee trinken, zwei Stück Kuchen
ein Likörchen hinterher.
Schnell noch eine Rundfahrt buchen,
sonst gibt’s keine Plätze mehr.
Aufgetakelt auf die Piste,
fröhlich machen Bier und Wein.
Baggern steht nun auf der Liste,
im Urlaub schläft man nicht allein.
Leider hat man nur zwei Wochen,
bald schon ist der Spaß vorbei
und erschöpft bis in die Knochen
ist der Aufbruch schwer wie Blei.
Schnell noch etwas Schönes kaufen,
mit Kredit kann man bezahlen.
Meine Zeit ist abgelaufen.
Mit soviel Urlaub kann man prahlen.

Fußgängerzone

Herausgeputzt wie eitle Pfauen
doch mit Stumpfsinn im Gesicht,
stolzieren Männer oder Frauen
ohne sich ins Herz zu schauen
unter buntem Neonlicht.
Prächtig glitzern die Fassaden.
Niemand will dahinter sehen,
denn auf ausgetret‘nen Pfaden
darf man in der Menge baden
ohne etwas zu verstehen.
Gefangen in dem Balzverhalten,
das die Werbung programmiert,
können sie nur sich gestalten,
zeigen sie, was sie bezahlten
oder stahlen, ungeniert.
Jeder will sich selbst beweisen,
dass er im Mittelpunkte steht
und alle Andren ihn umkreisen
auf den immer gleichen Gleisen.
Ist es wirklich schon zu spät?