Genug

Warum ist genug nicht genug?
Ich habe mehr als genug, eine schöne Wohnung, ein helles, großes Atelier, eine Werkstatt, genug zu essen, fließendes Wasser, Strom, Internet. Das ist mehr als die Mehrheit der Menschheit besitzt, mehr als ich brauche.
Ich habe lange in deutlich schlechteren Verhältnissen gelebt.
Trotzdem gibt mein Kopf keine Ruhe, sucht ständig nach Wegen meine Kunst gewinnbringend zu vermarkten, Geld zu scheffeln.
Warum?
Natürlich habe ich Wünsche, ein Bassverstärker, eine bessere Kamera, Bilderrahmen und, und, und. Doch keiner dieser Wünsche ist die Mühe wert, die ich mir wegen dem Verkauf meiner Bilder mache.
Es gibt unerfüllte Träume, der umgebaute Doppeldeckerbus als Festivalcafe, die vier Wochen mit guten Musikern im Tonstudio und auf Tournee. Doch das sind Träume eines jüngeren Mannes. Heute bin ich froh über mein geruhsames Leben auf dem Land.
Warum also kann ich es nicht lassen über Vermarktungsstrategien und Bewerbungsschreiben nachzudenken? Es gibt keinen sichtbaren Grund dafür. Mich plagt keine Not, keine Zukunftsangst, keine Gier. Auch das Bedürfnis nach gesellschaftlicher Anerkennung, nach Ruhm und Ehre, kann ich nicht in mir finden.
Ich bin zufrieden mit meinem Leben und suche doch nach mehr.
Ist das der Fluch des Menschseins?
Ist genug nie genug?

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Füllmuster selbst erstellen

Für meine Labyrinthe brauche ich immer wieder neue Füllmuster. Die kann man sich zwar auch aus dem Internet herunter laden, doch die kostenlosen sind unbrauchbar und ich mache sowieso so viel wie möglich selbst. Da ich gerade mal wieder mit dieser Arbeit beschäftigt bin, kann ich hier mal dokumentieren, wie man ein Foto in ein Füllmuster für Gimp oder Photoshop umbaut.
Als erstes braucht man ein brauchbares Foto.

Um eine Kachel aus dem Foto machen zu können, sollte es möglichst wenig Perspektive haben.
Das Foto habe ich kopiert und in eine neue Datei mit drei Ebenen eingefügt. Die untere Ebene dient als Kontrast und ist weiß oder schwarz, in der zweiten Ebene ist das Foto und in der dritten Ebene entsteht die Kachel.
Im nächsten Schritt werden einzelne Teile des Bildes ausgeschnitten. Die Kunst besteht darin passende Kanten zu finden, an denen entlang man einen Pfad anlegt:

Aus dem Pfad erstellt man eine Auswahl, deren Rand man ausblendet:

Diese Auswahl wird dann kopiert und in die dritte Ebene eingefügt:

Diesen Vorgang wiederholt man so lange, bis eine ausreichende Anzahl an Schnipseln vorhanden ist, die man am Rand der dritten Ebene positioniert.
Jetzt blendet man das Raster ein, kopiert einzelne Elemente und fügt sie über je einer waagerechten und senkrechten Linie des Rasters ein. Man muss darauf achten, dass die Linien ununterbrochen bedeckt sind.

Dann wird das magnetische Raster aktiviert und eine rechteckige Auswahl an der Rasterlinie entlang markiert und angehoben. Diese angehobene Auswahl schiebt man dann ans Ende der zusammengesetzten Schnipsel.

Das wiederholt man mit der anderen Dimension und bekommt so einen Rahmen.

Jetzt macht man die Ebene mit dem Foto wieder sichtbar und schiebt sie so lange hin und her, bis man einen passenden Bildausschnitt innerhalb des Rahmens sieht.

Dieser Bildausschnitt wird dann als rechteckige Auswahl markiert, kopiert und in die Arbeitsebene eingefügt.

Nun noch den Rahmen markieren, anheben, über den Bildausschnitt schieben und dort verankern. Im Prinzip reicht das schon, doch mit ein paar zusätzlich eingefügten Elementen kann man die Kachel noch verbessern.

Wenn man zufrieden ist wird die Kachel kopiert und in eine neue Datei eingefügt, die man dann als *.jpg oder *.pat in seinen Füllmusterordner speichert.

Ich nutze seit über zehn Jahren nur noch Gimp, denke aber diese Anleitung lässt sich problemlos auf Photoshop übertragen. Lasst euch nicht entmutigen, wenn die ersten Versuche nicht sooo toll werden. Trotz langer Übung ist auch bei mir nicht jedes Füllmuster so, wie ich es mir vorher vorgestellt habe.
Ich bin oft zu ungeduldig.

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Kulturnation

Darf man wirklich von einer Kulturnation sprechen, wenn die Bürger dieser Nation sich ein Auto für 60000,- oder 80000,- oder noch mehr Euro vor die Tür stellen und einen billigen Kunstdruck ins Wohnzimmer hängen, bei dem der Rahmen oft teurer ist als das Bild?
Und wieviel Schuld an diesem Missverhältnis haben die Banken, die zwar den Kauf des Autos finanzieren, aber für den Kauf von Kunst kein Darlehen gewähren? Und das obwohl das Auto rapide an Wert verliert, wogegen Kunstwerke langfristig im Wert steigen.
Bedeutet Kultur sich jedes Jahr ein neues Smartphone zu kaufen und Kaffee aus Kapseln zu brühen?
Weshalb geben die Menschen über 100 Euro für eine Konzertkarte aus, finden aber 1000 Euro für ein Original zu teuer?
Ich kenne die Antworten nicht. Ich merke nur bei diesen Fragen, dass ich die Menschen viel weniger verstehe, als ich mir selbst einrede.

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Heimat

Was weiß ein Heimatloser von Heimat? Wenig.
Schon im Kindesalter wurden mir diese Wurzeln gekappt und im Lauf eines langen Nomadendaseins ist es mir nie gelungen neue Wurzeln zu bilden. Ich lebe nun zwar schon seit über zwanzig Jahren überwiegend in und um Marburg, doch heimisch geworden bin ich hier immer noch nicht. Immerhin habe ich endlich ein Zuhause gefunden, das diesen Namen auch verdient.
Trotz dieser Entwurzelung und dem fehlenden Ortsbezug gibt es etwas, das für mich so etwas ähnliches wie Heimat bedeutet: die Sprache.
Ich habe in Italien und Frankreich gut von meiner Kunst leben können, hatte die Taschen voll Geld. Sowohl die Mentalität der Menschen dort als auch die Landschaften haben mir gut gefallen. Doch ich habe mich ständig wie ein Fremder gefühlt. Das tue ich zwar überall, doch nicht in diesem Ausmaß. Ständig von Menschen umgeben zu sein, deren Sprache ich nicht verstehe, erzeugt bis heute in mir ein nicht genau bestimmbares Angstgefühl. Deshalb lebe ich in Deutschland und auch dort nicht in Bayern oder Sachsen.
Die Wiederkehr des Heimatbegriffs in den öffentlichen Diskussionen hat vielleicht genau dort ihre Wurzeln. Ich will nicht jeden fremdenfeindlich nennen, der sich in seiner gewohnten Umgebung nicht mehr wohl fühlt, weil er die Sprache der Menschen um ihn herum nicht mehr versteht. Sonst muss ich mich auch so bezeichnen. Wenn im Zug oder Bus nur türkisch, arabisch, russisch oder spanisch gesprochen wird, kehrt das unbestimmbare Angstgefühl aus der Zeit meiner Auslandsreisen zurück. Dann fühle ich mich fremd im eigenen Land.
Ob man das auf die Allgemeinheit übertragen kann, ob dort die Wurzeln der Fremdenfeindlichkeit liegen, weiß ich nicht. Mir sind ja auch jene fremd, deren Sprache ich spreche. Wie Otto Normalbürger denkt und funktioniert ist für mich ein unlösbares Rätsel. Doch ich vermute, dass die meisten Menschen sich unwohl fühlen, wenn sie die Worte in ihrer Umgebung nicht verstehen.
Vielleicht ist das der Fluch Babels.

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Leichenzeichen

Wenn die bleichen Leichen
zu den Deichen schleichen
müssen Eichen weichen.
Doch die Reichen streichen
mit sehr bleichen Scheichen
auf die Eichen Zeichen
die den Leichen gleichen.
Prangen Eichenzeichen
auf sehr weichen Deichen
sind die bleichen Reichen
bei den Scheichenleichen
zu erreichen.

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Vorbilder

In der bürgerlichen Gesellschaft wird immer wieder die Bedeutung von Vorbildern angesprochen. Die Gefahr von Vorbildern wird dagegen vollständig ignoriert.
Unbestreitbar ist, dass Kinder sich an Vorbildern orientieren. Was die Erwachsenen in ihrem sozialen Umfeld tun, dient ihnen als Blaupause für das eigene Verhalten. Dabei übernehmen sie vor allem die Verhaltensweisen, für die sie mit positiver Aufmerksamkeit belohnt werden.
Schon da zeigt sich die Zweischneidigkeit von Vorbildern. Allzu oft werden Verhaltensweisen belohnt, die weder für das Kind noch für die Gesellschaft vorteilhaft sind und die Fehler der Alten werden zu Fehlern der Jungen. Daran kann man nichts ändern. Jeder macht Fehler und Kinder lernen durch Nachahmung.
Leider endet der Einfluss von Vorbildern nicht automatisch mit der Kindheit. Viele Menschen orientieren sich ein Leben lang an Vorbildern, bleiben Kopien vorgemachter Verhaltensweisen und entwickeln so nie eine eigenständige Persönlichkeit. Man braucht sich nur einmal anzusehen, wie viele Menschen sich wie die Darsteller in Filmen und Fernsehserien verhalten, um Vorbilder kritisch zu betrachten, insbesondere weil es sich bei diesen Vorbildern um erfundene Charaktere ohne Tiefe handelt.
Film und Fernsehen haben die Gesellschaft nicht besser gemacht, im Gegenteil. Täglich werden Gier, Egoismus, Hinterlist, Gewalt und Verachtung in die Köpfe von Menschen transportiert, die keine eigene Persönlichkeit haben und diese Verhaltensweisen imitieren.
Manchmal sind Vorbilder gefährlich.

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Wenn Träume wahr werden

Stück für Stück wird aus dem Haus ein Zuhause und auch wenn es noch eine ganze Weile dauern wird das Atelier zum Mittelpunkt meines Schaffens zu machen, zeigt sich an vielen Ecken schon der exzentrische Humor von meiner Mitbewohnerin und mir.
Was mir jedoch am deutlichsten bewusst wird ist die Änderung meiner Stimmungslage. Meine Fingernägel wachsen wieder, ganz ohne Medikamente habe ich zur Ruhe gefunden. Mein Traum ist wahr geworden, alles Sehnen verschwunden.
Das ist aber nicht das Ende. Neue Träume ließen nicht lange auf sich warten. Jetzt will ich meine Bilder verkaufen.
Ob sich auch dieser Traum in Wirklichkeit verwandeln lässt?

Wer mehr über mein Zuhause wissen will, kann uns gerne auf unserem Blog, den Engelberggeschichten besuchen.

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Angekommen

Über ein Jahrzehnt lang habe ich nach einem Elfenbeinturm gesucht, einem Ort, an dem ich ein Atelier einrichten und darin in Ruhe schaffen kann. Nun habe ich diesen Ort endlich gefunden, in einem kleinen Tal abseits des lärmenden Wirtschaftswachstums, dem sich die meisten Menschen dieses Landes unterworfen haben. Ich will lieber etwas schaffen, nicht für die Ewigkeit, sondern mir und allen die es wollen zur Freude.
Zwei Wochen bin ich nun hier, tanke die Ruhe, atme abgasarme Luft, genieße die mich umgebende Idylle von Wald und Wiesen.
Es gibt viel zu tun, ein Atelier entsteht nicht von allein. Eine neue Küche muss gebaut werden, in bewährter Weise aus alten oder billigen Brettern. Die Arbeitstische müssen geplant, Wände gestrichen oder tapeziert werden. Doch nach der ersten Hektik geschieht das alles nun mit Muse.
Ich bin angekommen.

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Primitive Rudeltiere

Stolz präsentiert sich der Mensch als Krone der Schöpfung, bewundert seinen technischen Fortschritt und sein Gehirn.
Leider wird dieses Gehirn nicht oder falsch genutzt. Es gibt uns die Möglichkeit uns selbst und unser Verhalten zu betrachten und zu ändern. Diese Nutzungsmöglichkeit wird nur von sehr wenigen Menschen in Anspruch genommen.
Egal ob Bankier oder Bankräuber, Arbeitgeber oder Arbeitnehmer, Herr oder Sklave, Täter oder Opfer, im Verhalten unterscheiden wir uns nicht von primitiven Rudeltieren. Noch immer wird unser Alltag von einer Hackordnung geprägt. Wir definieren uns selbst über die Stellung, die wir in unserem Rudel einnehmen, statt uns nach dem Kern unseres Wesens zu fragen und zur Eigenständigkeit zu gelangen. Status ist wichtiger als Authentizität, es sei denn diese Authentizität dient dazu den eigenen Status zu verbessern.
Krieg, Fremdenfeindlichkeit, Ausbeutung und Umweltzerstörung sind nur einige Folgen dieser Verhaltensmuster. Wir streiten darum, wessen Rudel dominiert, die einzige Wahrheit kennt, prügeln uns um Ressourcen, verkaufen uns an die Anerkennung des Rudels.
Das Gehirn nutzen wir nur, um bessere Strategien, bessere Waffen, eine bessere Selbstdarstellung zu erfinden.
Arme Menschheit.

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