Namenlos

Wie wäre meine Leben wohl verlaufen, wenn meine Eltern mich nicht Udo, sondern Christian, Wilhelm oder Michael genannt hätte? Ich weiß es nicht und kann es mir auch nicht vorstellen. Doch ich denke, alles wäre anders gekommen.
Worte geben Dingen eine Form. Das gilt auch für Namen. Wie stark dieser Einfluß tatsächlich ist, lässt sich nicht einmal annäherungsweise schätzen. Doch ich konnte schon als Kind fühlen, dass Udo nicht passt. Damals fehlten mir noch die Worte diese Unstimmigkeit zu benennen. Ich fühlte mich einfach fremd in dieser Form.
Mit zweiundzwanzig Jahren bekam ich dann einen neuen Namen: Arpan. Es war die Erlösung von einer Last, die ich all die Jahre vorher unsichtbar mit mir herumgetragen hatte. Auch wenn nicht jeder diesen neuen Namen akzeptierte und einige Menschen mich weiterhin Udo nannten, fühlte sich dieser neue Namen für mich vom ersten Moment an richtig an. Er war größer als ich, gab mir die Möglichkeit hinein zu wachsen. Diesen Namen, diese Form auszufüllen hat Jahrzehnte gedauert. Ein schmerzhafter Prozess. Wie ein Küken musste ich die Schale der alten Form aufbrechen, die Grenzen von Udo überschreiten und mich in der gewonnenen Weite zurecht finden.
Die Frage „Wer bin ich? Wer oder was ist Arpan?“ führte mich in viele Sackgassen, schuf ständig neue Selbstbilder und zerbrach sie wieder. Die Antwort auf diese Frage lässt sich nicht mit Worten beschreiben oder in einem Bild festhalten. Auch der Name Arpan ist nur ein Aspekt, eine Facette meiner Persönlichkeit. Doch im Gegensatz zu Udo ist er das.
Es gab und gibt eine Vielzahl anderer Namen, Kosenamen oder erfundene Charaktere. Arpi, Schnuck, Pantras, Nixnutz, Dulldapp, Ferdinand, Hutzeldu. Jedes dieser Worte zeichnet ein anderes Bild von mir und mit jedem neuen Bild wurde ich ein Stück größer. Doch kein Name kann das, was ich bin, wirklich benennen.
In Wahrheit bin ich namenlos.

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Lieblos

Ohne Liebe lebt man besser,
Liebe führt doch nur zu Leid.
Leg‘ die Liebe unter‘s Messer,
mach sie zu Vergangenheit.

Liebe schadet der Karriere,
lieblos scheffelt jeder Geld.
Liebe führt in die Misere,
weil sie uns im Zaume hält.

Ohne Liebe wächst der Willen
nach dem höchsten Amt zu streben.
Ohne Liebe baut man Villen,
muss nie mehr in Hütten leben.

Ohne Liebe fährt man schneller
und telefoniert auch noch dabei.
Ohne Liebe wird Lust greller,
rein und raus und schnell vorbei.

Lieblos ist die Welt geworden,
es regieren Geiz und Gier.
Für die Sieger gibt es Orden,
die Verlierer saufen Bier.

Willst auch du dazu gehören,
musst du nur dein Herz veröden.
Mich kann man so nicht betören,
ich will lieben und nicht töten.

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Tapeten

Wahrscheinlich bin ich mit meinen Entwürfen mal wieder ein Jahrhundert oder zwei zu spät, um sie gewinnbringend verkaufen zu können. Doch ich gestalte sie ja aus purer Freude am Spiel mit der Geometrie und nicht wegen dem Geld, dass mir jemand bezahlen wird.
Grundlage dieser Arbeiten ist das Sechseck, wodurch sich das Muster versetzt wiederholt.

Auch hier empfehle ich die Bilder herunter zu laden und als gekachelten Hintergrund auf dem Bildschirm zu betrachten. Erst dann entfalten sie die beabsichtigte Wirkung. Die Nutzung dieser stark verkleinerten Entwürfe ist für den privaten Gebrauch frei. Für die kommerzielle Verwendung senden Sie mir einfach eine Email.

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Textilmuster

Ich bin ein Kind der 70er, mag es bunt und farbenfroh. Deshalb sind meine Entwürfe für die Produktion von Textilien weit von den aktuellen Modetrends entfernt. Mir ist das egal, ich interessiere mich nicht für Mode.

Um sich eine bessere Vorstellung von einer mit diesen Entwürfen bedruckten Stoffbahn machen zu können sollte man sich die entsprechende Grafik herunterladen und als gekacheltem Hintergrund auf dem Bildschirm ansehen. Aus diesem Grund sind die hier gezeigten Bilder auch deutlich kleiner als die Druckvorlagen.
Die Nutzung dieser Bilder ist für den privaten Gebrauch kostenlos.
Für eine kommerzielle Nutzung benötigt man eine Lizenz. Schickt mir einfach eine Email mit Angaben darüber wofür sie genutzt werden soll und ich überlege mir einen Preis.

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Farbenblind

Ist Rot-Grün-Blindheit tatsächlich eine Behinderung?
Ich sehe die Welt anders als die Mehrheit, kann Farben nicht beim Namen nennen. Das wird von vielen Betrachtern meiner Werke nicht geglaubt. Doch Farben nicht benennen zu können bedeutet nicht kein Gefühl für Farben zu haben.
Leider sieht das die Berufsbürokratie anders. Wer rot und grün nicht unterscheiden kann, darf nicht Designer werden. Dieses Berufsverbot war für mich ein Grund dafür der Arbeitswelt Ade zu sagen. Wenn ich dem Ruf meiner Berufung nicht folgen darf, gibt es keinen Beruf für mich.
Realistisch betrachtet war es vorteilhaft keinen Beruf aus dieser Berufung zu machen. Ähnlich wie beim erlernten Handwerk des Kochs wird auch der Arbeitsalltag des Designers nicht zu meiner Lebensweise passen. Kreativität kennt keine Uhr, keine Termine, keine Eile. Ich auch nicht. Einfach nur zu funktionieren wie eine blöde Maschine gelingt mir nicht lange.
So ist das Berufsverbot zum Glücksfall geworden. Ich darf entwerfen, was ich will. Dass ich kein Geld für diese Arbeit bekomme ist Freiheit.
Kaufen dürft ihr meine Entwürfe trotzdem.

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Genug

Warum ist genug nicht genug?
Ich habe mehr als genug, eine schöne Wohnung, ein helles, großes Atelier, eine Werkstatt, genug zu essen, fließendes Wasser, Strom, Internet. Das ist mehr als die Mehrheit der Menschheit besitzt, mehr als ich brauche.
Ich habe lange in deutlich schlechteren Verhältnissen gelebt.
Trotzdem gibt mein Kopf keine Ruhe, sucht ständig nach Wegen meine Kunst gewinnbringend zu vermarkten, Geld zu scheffeln.
Warum?
Natürlich habe ich Wünsche, ein Bassverstärker, eine bessere Kamera, Bilderrahmen und, und, und. Doch keiner dieser Wünsche ist die Mühe wert, die ich mir wegen dem Verkauf meiner Bilder mache.
Es gibt unerfüllte Träume, der umgebaute Doppeldeckerbus als Festivalcafe, die vier Wochen mit guten Musikern im Tonstudio und auf Tournee. Doch das sind Träume eines jüngeren Mannes. Heute bin ich froh über mein geruhsames Leben auf dem Land.
Warum also kann ich es nicht lassen über Vermarktungsstrategien und Bewerbungsschreiben nachzudenken? Es gibt keinen sichtbaren Grund dafür. Mich plagt keine Not, keine Zukunftsangst, keine Gier. Auch das Bedürfnis nach gesellschaftlicher Anerkennung, nach Ruhm und Ehre, kann ich nicht in mir finden.
Ich bin zufrieden mit meinem Leben und suche doch nach mehr.
Ist das der Fluch des Menschseins?
Ist genug nie genug?

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Füllmuster selbst erstellen

Für meine Labyrinthe brauche ich immer wieder neue Füllmuster. Die kann man sich zwar auch aus dem Internet herunter laden, doch die kostenlosen sind unbrauchbar und ich mache sowieso so viel wie möglich selbst. Da ich gerade mal wieder mit dieser Arbeit beschäftigt bin, kann ich hier mal dokumentieren, wie man ein Foto in ein Füllmuster für Gimp oder Photoshop umbaut.
Als erstes braucht man ein brauchbares Foto.

Um eine Kachel aus dem Foto machen zu können, sollte es möglichst wenig Perspektive haben.
Das Foto habe ich kopiert und in eine neue Datei mit drei Ebenen eingefügt. Die untere Ebene dient als Kontrast und ist weiß oder schwarz, in der zweiten Ebene ist das Foto und in der dritten Ebene entsteht die Kachel.
Im nächsten Schritt werden einzelne Teile des Bildes ausgeschnitten. Die Kunst besteht darin passende Kanten zu finden, an denen entlang man einen Pfad anlegt:

Aus dem Pfad erstellt man eine Auswahl, deren Rand man ausblendet:

Diese Auswahl wird dann kopiert und in die dritte Ebene eingefügt:

Diesen Vorgang wiederholt man so lange, bis eine ausreichende Anzahl an Schnipseln vorhanden ist, die man am Rand der dritten Ebene positioniert.
Jetzt blendet man das Raster ein, kopiert einzelne Elemente und fügt sie über je einer waagerechten und senkrechten Linie des Rasters ein. Man muss darauf achten, dass die Linien ununterbrochen bedeckt sind.

Dann wird das magnetische Raster aktiviert und eine rechteckige Auswahl an der Rasterlinie entlang markiert und angehoben. Diese angehobene Auswahl schiebt man dann ans Ende der zusammengesetzten Schnipsel.

Das wiederholt man mit der anderen Dimension und bekommt so einen Rahmen.

Jetzt macht man die Ebene mit dem Foto wieder sichtbar und schiebt sie so lange hin und her, bis man einen passenden Bildausschnitt innerhalb des Rahmens sieht.

Dieser Bildausschnitt wird dann als rechteckige Auswahl markiert, kopiert und in die Arbeitsebene eingefügt.

Nun noch den Rahmen markieren, anheben, über den Bildausschnitt schieben und dort verankern. Im Prinzip reicht das schon, doch mit ein paar zusätzlich eingefügten Elementen kann man die Kachel noch verbessern.

Wenn man zufrieden ist wird die Kachel kopiert und in eine neue Datei eingefügt, die man dann als *.jpg oder *.pat in seinen Füllmusterordner speichert.

Ich nutze seit über zehn Jahren nur noch Gimp, denke aber diese Anleitung lässt sich problemlos auf Photoshop übertragen. Lasst euch nicht entmutigen, wenn die ersten Versuche nicht sooo toll werden. Trotz langer Übung ist auch bei mir nicht jedes Füllmuster so, wie ich es mir vorher vorgestellt habe.
Ich bin oft zu ungeduldig.

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Kulturnation

Darf man wirklich von einer Kulturnation sprechen, wenn die Bürger dieser Nation sich ein Auto für 60000,- oder 80000,- oder noch mehr Euro vor die Tür stellen und einen billigen Kunstdruck ins Wohnzimmer hängen, bei dem der Rahmen oft teurer ist als das Bild?
Und wieviel Schuld an diesem Missverhältnis haben die Banken, die zwar den Kauf des Autos finanzieren, aber für den Kauf von Kunst kein Darlehen gewähren? Und das obwohl das Auto rapide an Wert verliert, wogegen Kunstwerke langfristig im Wert steigen.
Bedeutet Kultur sich jedes Jahr ein neues Smartphone zu kaufen und Kaffee aus Kapseln zu brühen?
Weshalb geben die Menschen über 100 Euro für eine Konzertkarte aus, finden aber 1000 Euro für ein Original zu teuer?
Ich kenne die Antworten nicht. Ich merke nur bei diesen Fragen, dass ich die Menschen viel weniger verstehe, als ich mir selbst einrede.

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Heimat

Was weiß ein Heimatloser von Heimat? Wenig.
Schon im Kindesalter wurden mir diese Wurzeln gekappt und im Lauf eines langen Nomadendaseins ist es mir nie gelungen neue Wurzeln zu bilden. Ich lebe nun zwar schon seit über zwanzig Jahren überwiegend in und um Marburg, doch heimisch geworden bin ich hier immer noch nicht. Immerhin habe ich endlich ein Zuhause gefunden, das diesen Namen auch verdient.
Trotz dieser Entwurzelung und dem fehlenden Ortsbezug gibt es etwas, das für mich so etwas ähnliches wie Heimat bedeutet: die Sprache.
Ich habe in Italien und Frankreich gut von meiner Kunst leben können, hatte die Taschen voll Geld. Sowohl die Mentalität der Menschen dort als auch die Landschaften haben mir gut gefallen. Doch ich habe mich ständig wie ein Fremder gefühlt. Das tue ich zwar überall, doch nicht in diesem Ausmaß. Ständig von Menschen umgeben zu sein, deren Sprache ich nicht verstehe, erzeugt bis heute in mir ein nicht genau bestimmbares Angstgefühl. Deshalb lebe ich in Deutschland und auch dort nicht in Bayern oder Sachsen.
Die Wiederkehr des Heimatbegriffs in den öffentlichen Diskussionen hat vielleicht genau dort ihre Wurzeln. Ich will nicht jeden fremdenfeindlich nennen, der sich in seiner gewohnten Umgebung nicht mehr wohl fühlt, weil er die Sprache der Menschen um ihn herum nicht mehr versteht. Sonst muss ich mich auch so bezeichnen. Wenn im Zug oder Bus nur türkisch, arabisch, russisch oder spanisch gesprochen wird, kehrt das unbestimmbare Angstgefühl aus der Zeit meiner Auslandsreisen zurück. Dann fühle ich mich fremd im eigenen Land.
Ob man das auf die Allgemeinheit übertragen kann, ob dort die Wurzeln der Fremdenfeindlichkeit liegen, weiß ich nicht. Mir sind ja auch jene fremd, deren Sprache ich spreche. Wie Otto Normalbürger denkt und funktioniert ist für mich ein unlösbares Rätsel. Doch ich vermute, dass die meisten Menschen sich unwohl fühlen, wenn sie die Worte in ihrer Umgebung nicht verstehen.
Vielleicht ist das der Fluch Babels.

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Leichenzeichen

Wenn die bleichen Leichen
zu den Deichen schleichen
müssen Eichen weichen.
Doch die Reichen streichen
mit sehr bleichen Scheichen
auf die Eichen Zeichen
die den Leichen gleichen.
Prangen Eichenzeichen
auf sehr weichen Deichen
sind die bleichen Reichen
bei den Scheichenleichen
zu erreichen.

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